GESUND & VITAL
Themen

 

 

 

 


 

 

Ob Bonbon oder Antidepressivum – in vielen Fällen scheint’s egal zu sein!

Laune endgültig verdorben:
Antidepressiva haben nur geringe Wirkung

Die neue Generation von Antidepressiva dürfte für die meisten Patienten nur wenige klinische Vorteile bringen. Zu diesem Ergebnis ist nun eine Studie der University of Hull in Großbritannien gekommen. Ein Wissenschaftler-Team um Studien-Leiter Irving Kirsch stellte fest, dass diese Medikamente aktiv nur einer kleinen Gruppe von sehr schwer Depressiven hilft. Details der Studie wurden in PLoS Medicine veröffentlicht.

Die Hersteller von Prozac (auch bekannt als Fluctin) und Seroxat, zwei der am meisten verbreiteten Antidepressiva, stellen die Ergebnisse der Studie naturgemäß in Frage. Ein Sprecher von GlaxoSmithKline betonte, dass die Studie nur einen kleinen Teil der gesamten Datenmenge berück-sichtigt hätte. Prozac-Hersteller Eli Lilly erklärte, dass Forschung und Praxis bewiesen hätten, dass das Medikament sehr wohl wirksam sei.

Umfangreiche Meta-Analyse

Insgesamt analysierte das Team die Daten von 47 klinischen Studien – auch von solchen, die aufgrund „unerwünschter Ergebnisse“ bisher nicht publiziert wurden. Ein Qualitätsbeweis, wie Gerd Antes vom Deutschen Cochrane-Zentrum, das die Qualität medizinischer Studien bewertet, bestätigt: „Eine solche Zusammenschau der verfügbaren Daten ist das einzige Mittel, um mehr Klarheit zu bekommen!“ Die Forscher konzentrierten sich dabei auf Medikamente, die die Serotonin-Werte im Gehirn kontrollieren. Dazu gehörte neben Prozac und Seroxat auch Efexor. Das prominenteste Mittel, Prozac, wurde weltweit bereits von mehr als 40 Millionen Menschen geschluckt.

Placebo-Effekt?

Die Forscher fanden nun heraus, dass bei vielen Menschen, denen es durch die Einnahme der untersuchten Medikamente besser ging, ein Placebo-Effekt dafür verantwortlich ist (nicht das Medikament an sich, sondern die Überzeugung des Patienten, dass es hilft, führt zu einem besseren Gesundheitszustand). Die Wissenschaftler wiesen dabei nach, dass die Medikamente bei leichten Depressionen die gleiche – positive – Wirkung hatten wie Blindpräparate!

Bei schweren Symptomen scheint die Wirkung jedoch ausgeprägter zu sein. Dies könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion auf ein Blindpräparat geringer ist. Laut Studienleiter Kirsch ist der Unterschied zwischen den Antidepressiva und den Blindpräparaten jedenfalls nicht wirklich groß. Er ist sich sicher: „Das bedeutet, dass es depressiven Menschen auch ohne Medikamente besser gehen kann!”

Weg mit der Pille?

In Großbritannien hat Gesundheitsminister Alan Johnson laut BBC angesichts der Studie und der Tatsache, dass die Anzahl der Verschreibungen in England 2006 ein Rekordhoch von mehr als 31 Millionen erreicht hat, nun angekündigt, dass in den nächsten drei Jahren speziell für Gesprächs-therapien zusätzlich 3.600 Therapeuten ausgebildet werden. Der Minister hält diese Form der Behandlung nicht nur aufgrund der jüngsten Studienergebnisse für einen besseren Therapieansatz als den Einsatz von Medikamenten, deren Wirkung zudem höchst umstritten ist. Und der britische Psychiater Tim Kendall empfiehlt, künftig nicht mehr allein Studien von Pharmafirmen zu vertrauen.

 

 >>zurück 

 

0