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Thomas Schwingenschlögl

 

 


 

 

Laktoseintoleranz
Häufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit weltweit!

Die Laktoseintoleranz, auch als Milchzuckerunverträglichkeit bezeichnet, ist die weltweit mit Abstand am häufigsten verbreitete Nahrungsmittelunverträglichkeit. In vielen Regionen der Welt ist diese Verdauungsstörung eigentlich der Normalfall: So leiden in Südostasien fast 100% der Bevölkerung an einem Laktasemangel (darum bekommt man bei einem Thailandurlaub auch nur selten Milch angeboten), in Südamerika ca. 70%, in Schweden dagegen nur 2%. In Österreich sind schätzungs-weise 15-25% der Bevölkerung betroffen.

Enzymmangel

Bei einer Milchzuckerunverträglichkeit fehlt im Darm das Verdauungsenzym Laktase, welches den mit der Nahrung aufgenommenen Milchzucker (=Laktose) normalerweise verdaut. Gelangt unver-dauter Milchzucker aber in den Dickdarm, wird er von den dort ansässigen Darmbakterien aufge-nommen und vergoren. Die Gärungsprodukte verursachen dann die typischen Symptome wie Blähungen und Durchfall. Generell ist die Produktion des Enzyms Laktase im Erwachsenenalter gegenüber Säuglingsalter und Kindheit stark vermindert. Das erklärt, warum die Symptome einer Milchzuckerunverträglichkeit oft erst mit zunehmendem Lebensalter auftreten. Eigentlich ist es der intensiv betriebenen Milchwirtschaft zu verdanken, dass wir Milchprodukte auch als Erwachsene so gut vertragen, weil sich unser Körper an die Ernährung gewöhnt hat und vermehrt Laktase produziert. Nicht zu verwechseln ist die Laktoseintoleranz übrigens mit einer echten Allergie gegen Kuhmilch-Eiweiß, die bei Säuglingen häufig vorkommt und durchaus ernste Symptome bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen auslösen kann!

Laktasemangel kann verschiedene Ursachen haben. Neben der schon erwähnten weltweiten Verbrei-tung eines relativen Laktasemangels, der genetisch bestimmt ist, gibt es auch eine angeborene absolute Laktoseintoleranz, bei der das Enzym Laktase überhaupt nicht gebildet werden kann. Diese Erkrankung führt aber zu einer schweren Beeinträchtigung des Wachstums und der Kindesent-wicklung und muss behandelt werden. Auch diverse Krankheiten unseres Verdauungssystems können eine Laktoseunverträglichkeit auslösen. Bakterielle und virale Darmentzündungen, chroni-sche Darmentzündungen, Zöliakie, Darmoperationen, Strahlen- und Chemotherapie bei Krebs, aber auch chronischer Alkoholmissbrauch sind mögliche Ursachen einer erworbenen Laktoseintoleranz.

Quälende Beschwerden

Die meisten Betroffenen reagieren nach dem Konsum von Milch und Milchprodukten mit Blähungen und übelriechenden Darmwinden, Unwohlsein, Bauchdrücken und Bauchkrämpfen, Übelkeit, Erbre-chen, aber auch Durchfällen. Je nach dem Grad des Laktasemangels können die Symptome sehr mild bis aggressiv auftreten und nehmen natürlich mit der Menge des konsumierten Milchzuckers zu. Wer sich über diese Verdauungsstörung hinwegsetzt, löst eine ständige Reizung der Darmschleim-haut aus, die mit der Zeit irreparabel geschädigt wird. Damit können dann lebenswichtige Nährstoffe, Vitamine und Mineralien nicht mehr aus der Nahrung aufgenommen werden. Es kommt zu schweren Mangelerscheinungen. Auf jeden Fall wird bei einer Unverträglichkeit von Milchprodukten das für den Knochen wichtige Kalzium zu wenig zugeführt. Das fördert das Entstehen der gefürchteten Osteoporose, einer Knochenerkrankung, die häufig zu vermehrten Knochenbrüchen führt. Menschen mit einer Laktoseintoleranz müssen daher unbedingt Kalzium und Vitamin D als Nahrungsergänzung einnehmen.

Zur Diagnose

Die meisten Betroffenen kommen durch eine exakte Selbstbeobachtung bereits zur Diagnose. Machen Sie einen Diättest: Wenn durch eine laktosefreie Diät über mehrere Tage die Beschwerden verschwinden, dann ist eine Laktoseintoleranz sehr wahrscheinlich. Für eine solche Diät müssen Sie alle Milchprodukte meiden. Achten Sie auf versteckten Milchzucker in vielen Fertiggerichten und Medikamenten. Um noch sicherer zu sein, können Sie nach einer solchen Diät einen Expositionstest durchführen. Trinken Sie ein Glas Wasser mit darin aufgelösten 50 bis 100g Milchzucker. Treten danach innerhalb kurzer Zeit die bekannten Symptome wieder auf, besteht eine Laktoseintoleranz. Milchzuckerlösungen sind in Apotheken und Drogerien erhältlich. Ist durch Selbstbeobachtung die Diagnose nicht eindeutig zu belegen, stehen diverse medizinische Tests zur Verfügung (H2-Atemtest, Blutzucker-Test, Gentest, Entnahme einer Gewebsprobe).

So wird behandelt

Die meisten Arten des Laktasemangels (natürlich, angeboren) sind nicht heilbar. Ein erworbener Laktasemangel nach bestimmten Krankheiten kann sich manchmal wieder geben, wenn die Grundkrankheit erfolgreich behandelt wurde. Generell kann man die Beschwerden durch eine milchzuckerarme bis -freie Diät, die man lebenslang einhalten muss, reduzieren. Der meiste Milchzucker ist dabei in der normalen Kuhmilch enthalten. Vergorene Milchprodukte wie Buttermilch, Joghurt, Schlagobers und Käse enthalten dagegen weniger Milchzucker. Je länger ein Lebensmittel gereift ist, desto kleiner ist generell der Gehalt an Milchzucker. Sauermilchprodukte werden trotz eines hohen Gehalts an Laktose meist wesentlich besser vertragen. Diese Lebensmittel enthalten viele Milchsäurebakterien, die noch nach dem Verzehr dieser Speisen den Milchzucker im Darm des Menschen aufspalten können. Er gelangt damit nicht in den Dickdarm.

Leider ist Laktose vielen anderen Nahrungsmitteln wie Brot, Fertigprodukten im Supermarkt, Wurst- und Teigwaren oder auch diversen Süßigkeiten zugesetzt. Da aber seit kurzem per Verordnung Milchzucker auf der Packung angeführt werden muss, können Sie sich selbst von der Unbedenk-lichkeit eines Produktes überzeugen. Mittlerweile gibt es als Alternative auch laktosearme Milch und fermentierte Milchprodukte mit lebenden Laktobazillen, die generell gut vertragen werden. Milch-zucker ist übrigens als Bindemittel auch in vielen Medikamenten enthalten. Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen jedoch milchzuckerfreie Alternativen nennen. Ergänzend zu einer Diät kann das Verdauungsenzym Laktase auch in Form von Kapseln oder Kautabletten zugeführt werden. Die Produkte müssen bereits im Magen wirken. Ihre Dosierung sollte dem Gehalt an Milchzucker in der Nahrung angepasst werden. Dies ist oft schwer abzuschätzen und bedarf einiger Erfahrung. Bleibt also im Grunde genommen nur die richtige Ernährung, bei der wir Ihnen gerne behilflich sind!

Facharzt-Tipp:
Dr. Thomas Schwingenschlögl
Reisenbauerring 5/1/5
2351 Wiener Neudorf
Tel.: 02236/865910
Fax: 02236/86591030
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