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Rudolf Nagiller

Bereits der kon-sequente Verzicht auf die Benützung von Rolltreppe oder Lift bringt zusätzliche Schritte für das tägliche persön-liche Konditions-konto. Im Bild oben der Autor
Dr. Rudolf Nagiller als begeisterter Spaziergänger.

Foto:
Gerhard Deutsch

No Sports!

Buch-Tipp:

Dr. Rudolf Nagiller
„No Sports!
Aus Liebe
zur Bewegung“

160 S.,
Klappenbroschur,
ISBN: 978-3-7015-0506-7.
Kremayr & Scheriau/Orac,
2008, Wien
EUR 19,90

Bestellbar unter:
www.kremayr-scheriau.at

Rudolf Nagiller

 


 

 


 

 

No Sports!

Die 10 Sportfallen:

Die Keine-Zeit-Falle
Die Bin-im-Stress-Falle
Die Ich-will-abnehmen-Falle
Die Bin-zu-alt-Falle
Die Bin-zu-dick-Falle
Die Kein-Talent-Falle
Die Sport-ist-Mord-Falle
Die Sauwetter-Falle
Die Nur-für-Dumme-Falle
Die Wellness-Falle

No Sports!
Aus Liebe zur Bewegung

10.000 Schritte für mehr Gesundheit und Wohlbefinden – dazu spornt Bestseller-Autor Dr. Rudolf Nagiller, bekannt auch als ehemaliger ORF-Radio- und Fernsehjournalist, in seinem neuen Buch „No Sports! Aus Liebe zur Bewegung“ an. Der paradox anmutende Titel bringt dabei eine gesell-schaftliche Fehleinschätzung auf den Punkt: Sich bewegen heißt nicht automatisch zwanghaft trainieren zu müssen, Sport zu treiben! Im G&V-Interview erklärt Nagiller sein Konzept einer alltagstauglichen, sanften und ungezwungenen Bewegung für ein besseres Lebensgefühl.

G&V: Herr Dr. Nagiller, Ihr Buch „Gentle Running“ war 2001 das meistverkaufte Sach-buch Österreichs. Sind die Österreicher mehr Leser oder mehr Läufer geworden?
Nagiller: Ich hoffe, dass sie mehr Läufer geworden sind, denn eigentlich ist es schon paradox, dass man überhaupt so ein Buch lesen muss. (lacht)

G&V: Warum ist das paradox?
Nagiller: Ich finde, dass diese Flut von Sachbüchern – und Magazinen! – daher kommt, dass man nicht mehr wirklich weiß, wie man richtig leben soll.Wenn ich an die Zeit denke, in der ich aufgewachsen bin, ist mir das völlig fremd. Da lernte man von der Umgebung, wie man leben soll. Dazu gehörten die Eltern, Großeltern und Geschwister. Ich weiß nicht, ob das besser war. Der Umstand, dass es diese Sachbücher gibt und sie gekauft werden, hat aber jedenfalls etwas Positives: Es zeigt, dass sich die Menschen Gedanken machen über das richtige Leben! Trotzdem glaube ich, dass die richtigen Zugänge zu Ernährung und Bewegung aus einem selbst kommen, ja kommen müssen. Wenn man ein natürliches Bewegungsleben führt, dann entwickelt man ein Gefühl für seinen Körper und damit auch dafür, was einem gut tut.

G&V: Das Herunterschalten von Gentle Running auf normales Gehen – ist das auch so eine Entwicklung?
Nagiller: Hier muss ich zuerst sagen, dass ich zwischen Bewegung und Sport unterscheide. Darum auch dieser paradoxe Titel: „No Sports! Aus Liebe zur Bewegung“. Damit meine ich natürlich nicht, dass ich gegen den Sport bin, aber die ständige Gleichsetzung von Bewegung und Sport in unseren Köpfen und den Medien führt dazu, dass viele Menschen von der Bewegung abgehalten werden. Und da Sport auch mit Leistung und Ehrgeiz zu tun hat, führt es dazu, dass viele Menschen meinen, sie können keinen Sport machen. Ich habe Bewegung schon immer als eine Befriedigung eines Urbedürfnisses verstanden, losgelöst von „Sport“ – siehe „Gentle Running“. Manche Menschen habe ich mit diesem Titel aber noch nicht erreicht, weil diese sagen „Ich kann nicht laufen“. Also hab‘ ich mir gedacht, dass man diese Menschen ja über das Gehen erreichen könnte. Der Vorteil liegt darin, dass Gehen stärker ins Leben eingebaut werden kann als Laufen!

G&V: Wie zum Beispiel?
Nagiller: Anhand meiner Person? Bis vor ein, zwei Jahren bin ich immer zum S-Bahnhof mit dem Auto gefahren, das sind zwölf Gehminuten. Schließlich habe ich mich gefragt, warum ich das nicht zu Fuß gehe – und es dann einfach getan! Das Problem ist, dass wir auf die Idee, zu Fuß zu gehen, durch unsere mitteleuropäische Lebensweise oft gar nicht mehr kommen. Wir haben im Kopf „Gehen ist zu vermeiden“. Also tun wir es nicht und delegieren die Bewegung in den Freizeitbereich hinein oder gar nur in den Sport. Ich glaube eben, dass man das Gehen, diese 10.000 Schritte, die man am Tag braucht, noch besser ins Leben einbauen kann als zum Beispiel das Laufen oder Nordic Walking.

G&V: Wie viel sind 10.000 Schritte?
Nagiller: Menschen mit typischen Büroberufen gehen pro Tag ca. 4.000 bis 5.000 Schritte. Für die restlichen 5.000 Schritte braucht man, wenn man zügig geht, ungefähr eine Dreiviertel-Stunde. Damit man weiß, wo man steht, habe ich mein Programm in drei Phasen mit dem sogenannten Pedometer-Schrittzähler entwickelt. In der ersten Phase kontrolliert man, wie viele Schritte im normalen Alltag gegangen werden. Zweite Phase: Man versucht im Alltag das Gehen auszubauen und schaut, wie weit man damit kommt. In der dritten Phase wird dann, je nach Notwendigkeit, noch ein kleines Ergänzungsprogramm zugefügt.

G&V:Warum 10.000 Schritte?
Nagiller: Das ist eine Faustregel, die von Wissenschaftlern festgelegt und als sinnvoll befunden wurde!

G&V: Das muss ich jeden Tag tun?
Nagiller: Eigentlich schon! Natürlich kann man aber sagen, ich mach‘ einmal etwas mehr und einmal etwas weniger. Aber: Bewegung, No Sports ist kein Freizeitprogramm. Genau so wie Essen, Schlafen oder Sex keine Freizeitprogramme sind.

G&V:Was bewirkt so ein Programm, wenn man es konsequent macht?
Nagiller: Ich bin fest davon überzeugt, dass es einem besser geht, und zwar umfassend besser. Wenn der Mensch so lebt, wie er von seiner Anlage her leben soll – die nicht bei jedem Menschen gleich ist –, dann geht es ihm körperlich, geistig und seelisch besser. Das heißt nicht, dass man ein asketisches Leben führen muss. Auch das „über die Stränge schlagen“ ist in unserem menschlichen Dasein vorgesehen!

G&V: Eine Empfehlung zur Mitte?
Nagiller: Eine Empfehlung zu sich selber, um seinen eigenen Weg zu finden! Ob der eigene Weg immer der Mittelweg ist, hängt ganz von der Person ab. Der Mittelweg ist fast schon ein bisschen zu brav. Mein Buch soll Anregungen geben auf der Suche nach dem eigenen Weg mit Schwerpunkt Bewegung. Zu dieser Suche gehören auch die Faktoren Essen, Trinken und Stress. Mit der Bewegung
sind das die drei Hauptdinge, die uns heute zu schaffen machen: zu wenig Bewegung, problema-tische Ernährung und das Leben im Dauerstress.

G&V: Und dem entkomme ich, wenn ich 10.000 Schritte gehe?
Nagiller: Ja! Ich glaube, dass man sich dem Dauerstress leichter entziehen kann, wenn die anderen zwei Faktoren stimmen. Das ist alles vernetzt. Umgekehrt betrachtet: Wenn ich im Dauerstress bin, tue ich mich auch schwerer mit einem vernünftigen Bewegungsleben und einer für sich vernünftigen Ernährung. Es hängt schon alles zusammen!

G&V: Herr Dr. Nagiller, vielen Dank für den ersten Schritt!

 

Steckbrief:
Dr. Rudolf Nagiller, geb. 1943
■ Radio- und Fernsehjournalist, ehemaliger Chefredakteur und Fernsehintendant
(ausgezeichnet mit dem „Dr.-Karl-Renner-Preis“ und dem „Goldenen Mikrofon“)
■ Nunmehr Gesundheitspublizist mit Schwerpunkt Bewegung
■ Sein Buch „Gentle Running“ war 2001 das meistverkaufte österreichische Sachbuch und wurde mit dem „Goldenen Buch 2002“ ausgezeichnet.

 

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