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No Sports!
Aus Liebe zur Bewegung
10.000 Schritte für mehr
Gesundheit und Wohlbefinden – dazu spornt
Bestseller-Autor Dr. Rudolf
Nagiller, bekannt auch als
ehemaliger ORF-Radio- und
Fernsehjournalist, in seinem
neuen Buch „No Sports! Aus
Liebe zur Bewegung“ an.
Der paradox anmutende Titel
bringt dabei eine gesell-schaftliche
Fehleinschätzung
auf den Punkt: Sich bewegen
heißt nicht automatisch
zwanghaft trainieren zu müssen,
Sport zu treiben! Im
G&V-Interview erklärt Nagiller
sein Konzept einer alltagstauglichen,
sanften und
ungezwungenen Bewegung
für ein besseres Lebensgefühl.
G&V: Herr Dr. Nagiller, Ihr
Buch „Gentle Running“ war
2001 das meistverkaufte Sach-buch Österreichs. Sind die Österreicher
mehr Leser oder
mehr Läufer geworden?
Nagiller: Ich hoffe, dass sie
mehr Läufer geworden sind,
denn eigentlich ist es schon
paradox, dass man überhaupt
so ein Buch lesen muss.
(lacht)
G&V: Warum ist das paradox?
Nagiller: Ich finde, dass diese
Flut von Sachbüchern –
und Magazinen! – daher
kommt, dass man nicht mehr
wirklich weiß, wie man richtig
leben soll.Wenn ich an die
Zeit denke, in der ich aufgewachsen
bin, ist mir das völlig
fremd. Da lernte man von
der Umgebung, wie man leben
soll. Dazu gehörten die
Eltern, Großeltern und Geschwister.
Ich weiß nicht, ob
das besser war. Der Umstand,
dass es diese Sachbücher
gibt und sie gekauft
werden, hat aber jedenfalls
etwas Positives: Es zeigt, dass
sich die Menschen Gedanken
machen über das richtige
Leben! Trotzdem glaube ich,
dass die richtigen Zugänge
zu Ernährung und Bewegung
aus einem selbst kommen, ja
kommen müssen. Wenn man
ein natürliches Bewegungsleben
führt, dann entwickelt
man ein Gefühl für seinen Körper und damit auch dafür,
was einem gut tut.
G&V: Das Herunterschalten
von Gentle Running auf normales
Gehen – ist das auch
so eine Entwicklung?
Nagiller: Hier muss ich zuerst
sagen, dass ich zwischen
Bewegung und Sport unterscheide.
Darum auch dieser
paradoxe Titel: „No Sports!
Aus Liebe zur Bewegung“.
Damit meine ich natürlich
nicht, dass ich gegen den
Sport bin, aber die ständige
Gleichsetzung von Bewegung
und Sport in unseren
Köpfen und den Medien
führt dazu, dass viele Menschen
von der Bewegung abgehalten
werden. Und da
Sport auch mit Leistung und
Ehrgeiz zu tun hat, führt es
dazu, dass viele Menschen
meinen, sie können keinen Sport machen. Ich habe Bewegung
schon immer als eine
Befriedigung eines Urbedürfnisses
verstanden, losgelöst
von „Sport“ – siehe „Gentle Running“. Manche Menschen habe ich mit diesem
Titel aber noch nicht erreicht,
weil diese sagen „Ich
kann nicht laufen“. Also hab‘
ich mir gedacht, dass man
diese Menschen ja über das
Gehen erreichen könnte.
Der Vorteil liegt darin, dass
Gehen stärker ins Leben eingebaut
werden kann als Laufen!
G&V: Wie zum Beispiel?
Nagiller: Anhand meiner
Person? Bis vor ein, zwei Jahren
bin ich immer zum S-Bahnhof
mit dem Auto gefahren,
das sind zwölf Gehminuten.
Schließlich habe ich
mich gefragt, warum ich das
nicht zu Fuß gehe – und es
dann einfach getan! Das Problem
ist, dass wir auf die
Idee, zu Fuß zu gehen, durch
unsere mitteleuropäische Lebensweise
oft gar nicht mehr
kommen. Wir haben im Kopf „Gehen ist zu vermeiden“.
Also tun wir es nicht und delegieren
die Bewegung in
den Freizeitbereich hinein
oder gar nur in den Sport. Ich
glaube eben, dass man das
Gehen, diese 10.000 Schritte,
die man am Tag braucht,
noch besser ins Leben einbauen
kann als zum Beispiel
das Laufen oder Nordic Walking.
G&V: Wie viel sind 10.000
Schritte?
Nagiller: Menschen mit typischen
Büroberufen gehen
pro Tag ca. 4.000 bis 5.000
Schritte. Für die restlichen
5.000 Schritte braucht man,
wenn man zügig geht, ungefähr
eine Dreiviertel-Stunde.
Damit man weiß, wo man
steht, habe ich mein Programm
in drei Phasen mit
dem sogenannten Pedometer-Schrittzähler entwickelt.
In der ersten Phase kontrolliert
man, wie viele Schritte
im normalen Alltag gegangen
werden. Zweite Phase:
Man versucht im Alltag das
Gehen auszubauen und
schaut, wie weit man damit
kommt. In der dritten Phase
wird dann, je nach Notwendigkeit,
noch ein kleines
Ergänzungsprogramm zugefügt.
G&V:Warum 10.000 Schritte?
Nagiller: Das ist eine Faustregel,
die von Wissenschaftlern
festgelegt und als sinnvoll
befunden wurde!
G&V: Das muss ich jeden Tag
tun?
Nagiller: Eigentlich schon!
Natürlich kann man aber sagen,
ich mach‘ einmal etwas
mehr und einmal etwas weniger.
Aber: Bewegung, No
Sports ist kein Freizeitprogramm.
Genau so wie Essen,
Schlafen oder Sex keine Freizeitprogramme
sind.
G&V:Was bewirkt so ein Programm,
wenn man es konsequent
macht?
Nagiller: Ich bin fest davon überzeugt, dass es einem besser
geht, und zwar umfassend
besser. Wenn der Mensch so
lebt, wie er von seiner Anlage
her leben soll – die nicht
bei jedem Menschen gleich
ist –, dann geht es ihm körperlich,
geistig und seelisch
besser. Das heißt nicht, dass
man ein asketisches Leben
führen muss. Auch das „über
die Stränge schlagen“ ist in
unserem menschlichen Dasein
vorgesehen!
G&V: Eine Empfehlung zur
Mitte?
Nagiller: Eine Empfehlung
zu sich selber, um seinen eigenen
Weg zu finden! Ob der
eigene Weg immer der Mittelweg
ist, hängt ganz von der
Person ab. Der Mittelweg ist
fast schon ein bisschen zu
brav. Mein Buch soll Anregungen
geben auf der Suche
nach dem eigenen Weg mit
Schwerpunkt Bewegung. Zu
dieser Suche gehören auch
die Faktoren Essen, Trinken
und Stress. Mit der Bewegung
sind das die drei Hauptdinge,
die uns heute zu schaffen
machen: zu wenig Bewegung,
problema-tische Ernährung
und das Leben im Dauerstress.
G&V: Und dem entkomme
ich, wenn ich 10.000 Schritte
gehe?
Nagiller: Ja! Ich glaube, dass
man sich dem Dauerstress
leichter entziehen kann,
wenn die anderen zwei Faktoren
stimmen. Das ist alles
vernetzt. Umgekehrt betrachtet:
Wenn ich im Dauerstress
bin, tue ich mich auch
schwerer mit einem vernünftigen
Bewegungsleben und
einer für sich vernünftigen
Ernährung. Es hängt schon
alles zusammen!
G&V: Herr Dr. Nagiller, vielen
Dank für den ersten Schritt!
Steckbrief:
Dr. Rudolf Nagiller,
geb. 1943
■ Radio- und Fernsehjournalist, ehemaliger
Chefredakteur und Fernsehintendant
(ausgezeichnet mit dem „Dr.-Karl-Renner-Preis“ und dem „Goldenen
Mikrofon“)
■ Nunmehr Gesundheitspublizist mit
Schwerpunkt Bewegung
■ Sein Buch „Gentle Running“ war 2001
das meistverkaufte österreichische Sachbuch
und wurde mit dem „Goldenen
Buch 2002“ ausgezeichnet.
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