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Mit der Kraft der
bayrischen Alpen
Rosi Mittermaier-Neureuther motiviert zur Bewegung in der freien Natur!
Jeder kennt sie, alle mögen
sie: die bayrische
Ski-Legende Rosi Mittermaier-Neureuther. Die
Doppel-Olympiasiegerin,
Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin
lebt heute
mit Ehegatte Christian Neu-reuther,
selbst ehemaliger
Ski-Rennläufer, im beschaulichen
bayrischen Ski-Ort
Garmisch-Parten-kirchen.
Während Sohn Felix im
Weltcup um Zehntel und
Hundertstel rittert, hat sich
die 57-Jährige ganz der Aufgabe,
aus Couch-Potatoes
Energiebündel zu formen,
verschrieben. Als Nordic
Walking-Trainerin ist die
Motivationskünstlerin dabei
schon höchst erfolgreich. Im
G&V-Interview spricht Sie über die Bedeutung einer vitalen
Lebenseinstellung!
G&V: Frau Mittermaier-Neureuther,
was hält Sie gesund & vital?
M-N: Wie lange haben wir
Zeit? (lacht) Eigentlich ist es
ganz einfach: Erstmal die Bewegung,
die Be-geisterung an
der Bewegung. Wir sind ja als
Sportler groß geworden, haben
uns dabei viel in der Natur
bewegt. Das ist es, was
man im Alter dann schätzen
lernt, wo man merkt, wie sehr
man da-durch „auftanken“
konnte und noch kann – sei
es alleine, mit dem Partner
oder in der Gruppe. Des-halb
versuchen wir heute, möglichst
viele Menschen zur
Bewegung zu bringen. Das
Feedback dabei ist ein ganz
tolles, vor allem von jenen,
die sich bisher kaum bis gar
nicht bewegt haben! Darüber
sind wir sehr froh.
G&V: Wie bringen Sie die
Leute, die in einem vergleichbaren
Alter sind wie
Sie, aber bei Weitem nicht so
eine gesunde Ausstrahlung
haben und auch nicht mit
Training aufge-wachsen sind,
dazu, den ersten Schritt zu
tun?
M-N: Das ist natürlich nicht
ganz einfach! Neben jenen
Leuten, die bisher völlig
sportabstinent gelebt haben,
gibt es auch noch solche, die
früher sehr wohl gesportelt
haben, dann aber berufsbedingt
und vielleicht auch aus
familiären Gründen – zumindest
aus deren subjektiver
Sicht – kaum mehr Zeit dafür
gefunden haben. „Starten“
kann man aber in jedem Fall!
Das Wichtigste am Anfang
ist, sich keinesfalls zu übernehmen,
sondern sich langsam
in etwas „hi-neinzusteigern“.
So kann man ausloten,
was einem wirklich Spaß
macht. Ein aktueller Trend,
der sehr viele Leute begeistert,
ist hier beispielsweise
das Nordic Walking: Hier
kommt fast der gesamte
Muskelapparat zum Einsatz,
dazu ist es technisch nicht allzu
schwierig. Man kann hier
in angenehmen Pulsbereichen,
die ja für die Fettverbrennung
ideal sind, seine „Runden ziehen“ und demonstriert
gleichzeitig seinem
Umfeld, das man was
erreichen will. Das motiviert!
Was viele aber oft falsch machen,
ist, dass sie gleich in
sehr hohen Pulsbereichen
trainieren, was speziell am
Anfang kontra-produktiv ist
und durch die große Belastung
rasch demotivierend
wirkt.
G&V: Eine Frage zum „ersten
Mal“: Sie haben ja das Glück
gehabt, in einem sportlichen
Umfeld aufgewachsen zu
sein, das Sie mit der Aussicht
auf Wettkampf-Erfolge im
Ski-Rennsport motiviert hat.
Was sagt man aber jemandem,
der von keinen konkreten
Zie-len getrieben wird und in fortgeschrittenem Alter
antriebslos auf der Couch
liegt?
M-N: Diese „großen Ziele“
hat man am Anfang ja gar
nicht, schon gar nicht als
Kind. Wenn aber Talent und
die Unterstützung des Umfeldes
da sind, wächst man in
die „Sache“ rein. Sicherlich
bedarf es dann mit der Zeit
aber auch mancher Erfolge,
um die Motivation zu erhalten.
Gerade bei Kindern
ist hier das Elternhaus sehr
wichtig, das die Lust an
der Bewegung weitergeben
muss. Wenn man heutzutage
die Statistiken liest, wonach
immer mehr Kinder übergewichtig
sind, dann ist das
schon sehr traurig – bei diesen
Kindern wurde der natürliche
Bewegungsdrang,
der in jedem Kind steckt,
offensichtlich nicht ausreichend
gefördert.
Aber wie gesagt: Zu spät für
Bewegung ist es nie, auch
nicht für Menschen in fortgeschrittenem
Al-ter. Man sollte
sich hier fixe Termine setzen,
auch von der Uhrzeit her,
dick eingetragen im Kalender,
an denen man ohne
Wenn und Aber trainiert.
Wenn’s nicht alleine funktioniert,
dann mit einem Part-ner
oder in einer Gruppe.
Am besten ist es immer, das
Training in der freien Natur
zu absolvieren, da das Umfeld
dann einfach motivierender
ist: In Wäldern, an
Flüssen, an Bächen oder in
den Ber-gen – hier lässt sich’s
auftanken! Nicht nur körperlich,
sondern auch mental, im
Sinne von „den All-tag hinter
sich lassen“.
Das Feedback, das wir hier
erhalten, ist irrsinnig positiv:
Die Leute vergessen ihre
Probleme bzw. beurteilen sie
objektiver, werden nicht nur
physisch, sondern auch psychisch
stärker und kommen
seelisch und auch geistig ins
Gleichgewicht. Dieses positive
Erlebnis spornt sie dann
natürlich an, am Ball zu bleiben,
(noch) mehr zu tun!
Wichtig ist jedenfalls, „klein“
zu beginnen und langsam zu
stei-gern.
Und noch ein Tipp: Wer zu
sporteln beginnt, sollte sich
auch die entsprechende Ausrüstung
zulegen. Es ist viel
motivierender, in tollen
Sportschuhen und trendiger
Sportbekleidung zu trainieren
als in zerfetzten Schlapfen
und in abgetragenen Klamotten
durch die Gegend zu
schlurfen! Das sind Klei-nigkeiten,
die aber oft übersehen
werden und die einem
dann jenes Quäntchen Spaß
und Motivation rauben, das
dann im Kampf gegen den
inneren Schweinehund fehlt!
G&V: In Ihrer sportlichen
Laufbahn hat schon immer
die Geschwindigkeit einen
hohen Stellenwert eingenommen.
Sie haben diese
immer schon weltmeisterlich
beherrscht, von der Abfahrt
bis zum Slalom. Haben Sie
diesen „Speed“ auch heute
noch?
M-N: Natürlich! Selbstverständlich
fahren wir auch
heute noch begeistert Schi,
wenn auch nicht mehr ganz
so schnell wie früher. Man
hat halt nicht mehr die Kondition,
ich möchte auch gar
nicht mehr über die Piste „hetzen“. Alles halt zu seiner
Zeit! Nichtsdestotrotz fühle
ich mich auf der Piste nach
wie vor pudelwohl, habe dabei
einen irrsinnigen Genuss!
Toll ist es auch, diese Begeisterung
auf andere übertragen
zu können, ihnen zu vermitteln,
warum es so schön
sein kann, dort oben auf dem
Gipfel zu stehen, wo noch
nicht viele gestanden sind.
Diese „einsamen“ und erfüllenden
Momente, in denen
man merkt, was für ein
Zwerg man eigentlich ist und
wie sehr man heutzutage dazu
neigt, Prioritäten falsch zu
setzen, anderen zugänglich
zu machen, ist schon sehr befriedigend.
Zudem ist es für
einen selbst eine tolle Bestätigung,
in fortgeschrittenem
Alter noch in der Lage zu
sein, das zu erleben!
G&V: Frau Mittermaier-Neureuther,
vielen Dank für das
motivierende Gespräch!
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Droemer/Knaur, München, 2006
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