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Hauskrankenpflege
Pflegende Angehörige brauchen Hilfe!
Aus den verschiedensten
Gründen ist die
Unterstützung pflegender
Angehöriger in den
vergangenen zwei Jahren
ans Licht der Öffentlichkeit
geraten. Nicht, dass erst
jetzt eine maßgebliche Anzahl
von Personen durch
dieses Problem betroffen
wäre, es existiert außerhalb
der öffentlichen Aufmerksam-keit
schon seit vielen
Jahren bzw. Jahrzehnten.
Veränderungen in der Zeitgestaltung
der Menschen
bezüglich ihrer Arbeit und
ihrer Freizeit, Veränderungen
in der Familienstruktur,
finanzielle, soziale und gesundheitspolitische
Gründe,
vor allem aber die ständig
steigende Anzahl der
Betroffenen rücken aber
nun dieses Problem zunehmend
in den Vordergrund.
Dabei erscheint es auf den
ersten Blick erstaunlich,
dass eine Gesellschaft, die
von professionellen Pflegepersonen
mehrjährige Ausbildung
und eine rigorose
begleitende Qualitätsüberwachung
fordert, finanziert
und durchsetzt, im Bereich
der Hauskrankenpflege
durch die Angehörigen erwartet,
dass sich diese ihr
Wissen und ihre Unterstützung
selbstständig erwerben
und das noch meist parallel
zur Pflegeaufgabe
selbst. Leider sind die Angebote
an fachlicher, psychischer
und spiritueller
Unterstüt-zung nach wie vor
bei weitem nicht ausreichend.
Lediglich die finanzielle
Situation dieser Personen-gruppe
hat sich durch
die flächendeckende Einführung
des Pflegegeldes
vor zehn Jahren erheblich
verbessert.
Immer mehr
Pflegebedürftige
Die Anzahl der Pflegebedürftigen
in Österreich
steigt seit Jahren an – und
wird auch weiterhin steigen.
Gibt es derzeit in Österreich
ca. 360.000 Personen,
die das Pflegegeld
(Bund und Länder) beziehen,
so wird sich diese Zahl
bis 2020 auf knapp eine halbe
Million Personen und bis
2040 auf über 600.000 erhöhen.
Dass der Ausbau der öffentlichen Pflegeplätze
(Alters- und Pflegeheime)
mit dieser Entwicklung
nicht mithalten kann, ist
evident.
Das bedeutet aber, dass der
Prozentsatz der pflegebedürftigen
Personen, die zu
Hause gepflegt wer-den, von
derzeit etwa 75% auf über
80% ansteigen wird. Damit
wird es also nicht nur ständig
mehr zu Pflegende geben,
sondern vor allem auch überproportional mehr Pflegepersonal
geben müssen,
wobei den Angehörigen in
allen denkbaren zukünftigen
Organisationsformen
eine stark steigende Bedeutung
zukommt. Daher wäre
es geradezu fahrlässig, ihre
Ausbildung, Finanzierung
und recht-liche Absicherung
zu vernachlässigen.
In diesem Zusammenhang
ist natürlich auch der Umkehrschluss
zulässig: Wenn
es gelingt, einen steigenden
Prozentsatz von Angehörigen
in das Pflegesystem einzubinden,
dann ist eine
erhebliche Effizienzsteigerung
im Einsatz öffentlicher
Mittel zu erwarten. Mit anderen
Worten: Jeder pflegende
Angehörige erspart
der öffentlichen Hand viel
Geld und trägt damit wesentlich
dazu bei, das gesamte
System finanzierbar
zu erhalten. Es ist daher
nicht nur fair und gerecht,
für eine ausreichende Finan-zierung
pflegender Angehöriger
zu sorgen, sondern
auch über den Umweg
der Systemeffizienz der insgesamt
kostengünstigere
Weg.
Welche Probleme
können auftreten?
Die Erfahrung zeigt, dass
Probleme aus folgenden
Bereichen die Arbeit pflegender
Angehöriger be-sonders
erschweren:
- Mangel an fachlich medizinischem
Wissen,
- Mangel an theoretischem Wissen und praktischer
pflegerischer Erfahrung,
- Mangel an Zeitmanagement
und Organisation,
verursacht durch eine Mehrfachbelastung
der Angehörigen,
- Mangel an Wissen über
mögliche Hilfen praktischer
und finanzieller Natur,
- Vereinsamung, Einschränkung
sozialer Kontakte,
Schwellenängste, Burn-Out,
physische und psychische
Erschöpfung sowie
- fehlende spirituelle Begleitung
sowohl in der Pflegesituation
als auch auf den
Tod hin.
Initiativen
und Projekte
Es gibt in Österreich eine
Reihe von Initiativen, die
sich zum Ziel gesetzt haben,
diese erkannten Mängel zu
beheben bzw. den Betroffenen
Gelegenheit zu geben, erlebte Problemfelder gezielt
zu bearbeiten. Träger
dieser Initiativen kommen
derzeit vorwiegend aus dem
Bereich sozialer und karitativer
Hilfsorganisationen
(Rotes Kreuz, Caritas, Diakonie),
von gemeinnützigen
Organisationen, insbesondere
aus dem Bereich der
Heimpflege, aus dem kirchlichen
Umfeld und von privaten
Vereinen und Organisationen,
die sich der Unterstützung
der Angehörigen
von Menschen mit
speziellen Krankheitsbildern
(z.B. Alzheimer) verschrieben
haben.
Das Projekt „Lebens-Hilfe
für Pflegende Angehörige“
ist demgemäß nur ein Beispiel
für viele, wie eine Privatinitiative
zur Unterstützung
Pflegender organisiert
werden kann. Das Projektziel
besteht darin, den Angehörigen
durch eine Reihe
regelmäßig stattfindender
Veranstaltungen von professio-neller
Qualität eine
fachliche, psychische und
spirituelle Hilfe in ihrer
schwierigen Lebenssituation
zu bieten.
Das Projekt läuft seit
Herbst 2003 und wird von
den Pfarrcaritasorganisationen
der acht katholischen
Pfarren des 12. Wiener
Gemeindebezirkes und
vom gemeinnützigen Verein „Meteora – health care & social management“
(www.meteora.at) getragen.
Ein Team organisiert
acht Fortbildungsnachmittage
pro Jahr, wobei jeder
in den Räumlichkeiten einer
anderen Pfarre stattfindet.
Der Nachmittag beginnt
mit einem Vortrag,
dann folgt eine Pause zur
Stärkung und für die Kommunikation
der Teilnehmer
untereinander. Der zweite
Teil des Nachmittags besteht
aus einer moderierten
Selbsthilfegruppe, in welcher
das Gehörte reflektiert
und an der eigenen Erfahrung
sowie an den Erfahrungen
anderer gemessen
und ins rechte Licht gerückt
werden kann.
Beispiele für behandelte
Themen sind: Validation –
Erste Hilfe – Die Hilfestellung
des „Fonds Soziales
Wien“ – Richtig Mobilisieren – Konfliktbewältigung –
Trauer – Die Sachwalterschaft
und viele mehr. Die
Teilnehmer zahlen einen
Selbstkostenbeitrag von ca.
7 Euro als Spende pro Termin.
Aus diesem Beitrag
und aus Sponsorbeiträgen
lokaler Firmen werden die
Organisationskosten bestritten.
Das Organisationsteam,
die Vortragenden sowie
die Caritasgruppen der
Pfarren arbeiten ausschließlich
ehrenamtlich.
Kontakt und weitere Informationen:
Dipl.-Ing. Christoph Gudenus
Leiter der Pfarrcaritas Gatterhölzl
und
Projektkoordinator der „Lebens-Hilfe für pflegende Angehörige“
Hohenbergstraße 42,
1120 Wien
Tel.: 01/8132261
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