Die HPV-Impfung
Maximale Vorsorge – minimiertes Risiko
Krebs im weiblichen
Genitalbereich hat zumeist
eine Ursache:
Viren, die „Human Papillomviren“
(HPV). Davon gibt es
bislang rund 180 Typen und
man teilt sie wissenschaftlich
in zwei Gruppen, nämlich in „high risk“- und „low risk“-
(hohes und niedriges Risiko)
Viren, welche für die Entstehung
eines Muttermundkrebses
verantwortlich sind.
Diese Viren wurden vor rund
zwei Jahrzehnten erstmals
entdeckt und man fand sie
in Untersuchungen bei rund
50% der Frauen.
High risk-Viren sind für ca.
70% der Muttermundkrebse
verantwortlich. Das sind
weltweit 400.000 betroffene
Frauen pro Jahr, in Österreich
ca. 550 Frauen. Tödlich
verläuft die Erkrankung in
Europa für etwa die Hälfte,
in Österreich aber nur für ein
Drittel der Frauen – dies
möglicherweise aufgrund der
guten Vorsorge, durch die
vermehrt die Frühstadien mit
einer besseren Prognose zur
Therapie kommen. Low risk-Virustypen sind jene Erreger,
die für Feigwarzen (Condylome)
im Genitalbereich
verantwortlich sind.
Die Viren verursachen aber
nicht nur Karzinome im Muttermundbereich,
sondern
auch in der Schei-de, an der
Vulva (Scheideneingang)
und im Analbereich und sind
auch für bis zu 70% der Karzinome
im Mund- und Halsbereich
verantwortlich. Beim
Mann könnten sie aber auch
für Karzinome am Penis verantwortlich
sein.
Erste Impfung
gegen Krebs!
„Ein Menschheitstraum ist
wahr geworden“, jubelt Professor
Kunze von der Medizin-Universität ange-sichts
der Tatsache, dass Krebs erstmals
durch eine Impfung direkt
vermeidbar ist. Die Impfung
gegen HPV vermag eine
Immunisierung gegen bestimmte
Papillomviren zu
bewirken, wodurch das Entstehen
des Muttermundkrebses
in der Mehrzahl der Fälle
verhindert werden kann.
Neuerdings gibt es zwei
Impfstoffe gegen Human Papillom-Viren. Einer, Gardasil®, ist gegen die am häufigsten
vorkommenden Virustypen
wirksam; ein zweiter
Impfstoff, Cervarix®, ist
nur gegen spe-zielle Virustypen
wirksam, dafür soll er
durch einen neuen Zusatz
stärker und länger wirksam
sein. Ein intaktes, gut funktionierendes
Immunsystem
ist in manchen Fällen auch in
der Lage, mit dem Virus
selbst fertig zu werden. Man
ist aber vor neuerlichen Infektionen
nicht geschützt
und die Ab-wehrkraft geht im
Laufe des Lebens in ihrer
Ausprägung zurück.
Wer soll nun
geimpft werden?
Der Impfstoff ist für Kinder
und Jugendliche beiderlei
Geschlechts von 9 (10) bis 15
Jahre sowie für junge Frauen
von 16 bis 26 Jahre zugelassen.
Positive Ergebnisse
konnten auch für ältere
Frauen bis 55 Jahre erzielt
werden. Um eine ausreichende
Immunantwort zu erzielen,
ist eine 3-malige Impfung
(Auffrischung nach 1-2
und 6 Monaten) notwendig;
die Details müssen aber mit
dem Impfarzt abgesprochen
werden. Unklar ist derzeit
noch die exakte Dauer der
Wirksamkeit, angedacht ist
eine Auffrischungsimpfung
nach etwa 10 Jahren.
Die Impfung kann aber nicht
die Erkrankung verhindern,
falls schon eine Infektion
vorliegt oder gar schon sichtbare
Veränderungen aufgetreten
sind. Sie ersetzt auch
keineswegs die regelmäßige
Vor-sorgeuntersuchung beim
Frauenarzt auf Gebärmutterhalskrebs.
Der Abstrich
(Pap-Test) aus dem Gebärmutterhals
ist weiterhin regelmäßig
2-mal jährlich, in
Abständen von 6 Monaten,
notwendig, da es auch andere
Papillomviren gibt, die Krebs
verursachen können. Noch
liegen auch keine aus-reichenden
Erfahrungen über
die Verwendung des Impfstoffes
in der Schwangerschaft
vor. Die bis-herigen
Berichte von eingetretenen
Schwangerschaften während
der Impfungsintervalle deuten
aber auf keine besondere
Gefährdung der Kinder hin.
Patienten unter immunsuppressiver
Therapie oder eingeschränkter
Immunantwort
können durch den HPV-Impfstoff,
wie auch bei anderen
Impfstoffen üblich, keinen
ausreichenden Schutz
aufbauen.
Fazit
Die HPV-Impfung ist für die
vorgesehene Zielgruppe sehr
empfehlenswert, schützt vor
zahlreichen Krebsarten, man
muss aber die halbjährigen
Vorsorgeuntersuchungen
weiterhin regelmäßig in An-spruch
nehmen!
Univ.-Prof. Dr. Christian Dadak
Universitätsklinik für
Frauenheilkunde Wien
Tel.: +43/1/40400/2910
Fax: +43/1/40400/2775
christian.dadak@meduniwien.ac.at
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