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„Ich lache
für mein
Leben gern“
Ingrid Turkovic-Wendl schlägt
dem Alter ein Schnippchen!
Sie gehört – biologisch
gesehen – nicht mehr
zur „Next Generation“, „altes Eisen“ sieht
aber auch anders aus: Ingrid
Turkovic-Wendl, 67. Die
ehemalige Spitzen-Eiskunstläuferin
strotzt nach wie
vor vor unbändiger Energie
und strahlt eine Lebensfreude
aus, die eine glatte
10 in der B-Note rechtfertigen
würde. GESUND &
VITAL hat sie verraten,
was Frau beachten sollte,
um auch im Alter noch große
Sprünge machen zu können!
G&V: Frau Turkovic-Wendl,
Sie strotzen vor Vitalität,
sowohl äußerlich als auch
innerlich. Wie machen Sie
das?
Turkovic-Wendl: Eine
schwierige Frage! Ich glaube,
die Grundvoraussetzung
in meinem Leben ist jene,
dass ich Sportlerin gewesen
bin, meinen Körper kennengelernt
habe. Wenn man
diese Mobilität, diese Flexibilität,
diese Freude an der
Bewegung bereits als Kind
kennengelernt hat, dann
will man das eigentlich nie
mehr vermissen! In meinem
speziellen Fall ist dazugekommen,
dass man sich
beim Eislaufen zu Musik
bewegen kann; einem Element,
das den Körper so
richtig löst. Diese Erfahrung
war mein Glück! Wir
hören’s ja tagtäglich: Bewegung
führt zu einem Ausstoß
von Glückshormonen.
Die muss man sich aber erarbeiten!
Und das ist das
Problem bei vielen Menschen:
Sie kennen die Freude
an der Bewegung aus Ihrer
Jugend nicht… Dann
wird es schwierig, sie zu motivieren.
Gelingt es, wollen
sie das neue verbesserte Lebensgefühl
aber auch nicht
mehr missen! Was in meinem
Fall aber auch noch
dazukommt: Disziplin! Die „Lust-Frage“, ob man heute
trainiert oder nicht, stellt
sich nicht… selbstverständlich
trainiert man, wenn
man ein Ziel erreichen will!
Auch wenn’s am Anfang
schwer fällt…
G&V: Nun gibt es aber auch
viele, die in der Jugend sehr
sportlich unterwegs waren,
spätestens ab dem „30er“
ihre diesbezüglichen Ambitionen
aber mehr oder weniger
eingestellt haben. Wie
war das bei Ihnen? Der
Umstieg vom Leistungs- zum
Freizeitsport dürfte
vermutlich nicht einfach gewesen
sein…
Turkovic-Wendl: Doch,
das war leicht! Die Freude an der Bewegung war ja in
mir drinnen. Dazu kam,
dass der Zwang, jeden Tag
das hohe körperliche Niveau
halten zu müssen,
wegfiel. Training zum Vergnügen!
So bin ich beispielsweise
mit einer netten
Wandergruppe den Ost-West-Weitwander-weg gegangen,
jedes Jahr eine Woche,
von Hütte zu Hütte,
ausgerüstet nur mit einem
Rucksack, auch im Regen…
eine wundervolle Erfahrung!
Und gleichzeitig eine
Bestätigung, dass mein Körper „will“. Aus Freude,
nicht aus Zwang!
G&V: Was tun Sie zusätzlich,
um Ihre tolle Figur zu
halten? Es ist ja anzunehmen,
dass auch Sie ab und
zu Hunger haben…
Turkovic-Wendl: Dem gebe
ich auch nach! (lacht)
Ich war neulich zum Wandern
in Tirol, wo ich fünf Tage
lang herzhaftest bekocht
wurde und dementsprechend
mit Genuss alles verspeist
habe, was ich nur irgendwie
erreichen konnte!
Das hat sich natürlich
prompt ausgewirkt, wie ich
anschließend beim Gewandkauf
feststellen musste.
Dem begegne ich dann
damit, dass ich am Abend
einfach nichts esse! Grundvoraussetzung
für meine
Disziplin beim Essen war übrigens eine Franz-Xaver-Mayr-Kur, die ich nach dem
Ende meiner Eislauf-Karriere
gemacht habe. Ich hatte
vorher immer stark mit
meinem Gewicht zu kämpfen.
Erst nach meinem Karriere-Ende, als der Zwang
abfiel und mir ein guter
Freund nahelegte, nur ja
nichts abzunehmen, wollte
ich plötzlich nichts mehr essen!
Der Druck, nicht zu „dürfen“, war weg – und
schon funktionierte es! Das
ist eine Sache, die jeder
für sich selbst entscheiden
muss: Geht es nur mit der
Peitsche oder wirkt diese
sogar kontraproduktiv… Ich
bin da ein „Widerspruchs-Mensch“, dem’s mit Druck
schlechter geht!
G&V: Sie wirken, als wären
Sie rundherum zufrieden,
glücklich – und strahlen
dement-sprechend Positives
aus. War das schon immer
so?
Turkovic-Wendl: (lacht)
Das kann ich gar nicht wirklich
beurteilen… Der erste
Einfluss kommt natür-lich
von den Menschen, die einen
von Kindheit an umgeben.
Wenn ich mir meine
Kinderfotos ansehe, dann
sehe ich eigentlich eine
richtige „Zwiderwurzn“. Meine
Mutter hat mir immer „nahegelegt“, freundlich zu
sein, zu lachen. Meine Reaktion
darauf war meist ein
böses Gesicht! Wie gesagt:
Ich war ein „Widerspruchs-Mensch“… (lacht) Die Sache
mit dem „Freundlichsein“
ist dann eigentlich
erst mit dem Show-Business
gekommen. Als Vorbild
hatte man damals die
Amerikaner, das Schlagwort
hieß: „Keep smiling“.
Ich hab’s ausprobiert – und
es hat bestens funktioniert!
Etwas, das ich dabei den
Damen ans Herz legen
möchte: Wenn Sie sich im
Spiegel betrachten, bös
dreinschauen, an etwas Böses
denken – Sie schauen
bestimmt 25 Jahre älter aus
als wenn Sie beispielsweise
an Ihren ersten Kuss denken!
Sie haben die Wahl!
G&V: Frau Turkovic-Wendl,
Ihre Botschaft lautet: Auch
das Leben nach dem 60. Lebens-jahr
lohnt sich! Sie haben
dafür bestimmte Regeln
entwickelt…
Turkovic-Wendl: Ja, und
zwar jene der „3 Ls“: Laufen,
Lernen, Lieben. Laufen
bedeutet nicht, dass jetzt jeder
joggen gehen muss, aber
dass Bewegung in der Form,
wie sie möglich ist, praktiziert
werden sollte. Und dabei
immer um einen „Millimeter“
mehr als man selbst
glaubt, dass es möglich ist.
Lernen bedeutet für mich,
sich laufend mit neuen Gebieten
auseinanderzusetzen.
Mit Gebieten, die einem
womöglich am Anfang gar
nicht behagen. Als Resultat
baut man neue Gehirnzellen
auf, was – und das haben
Forscher nun bewiesen –
auch im Alter noch möglich
ist!
Den dritten Punkt, das Lieben,
sollte man in jeder erdenklichen
Form praktizieren,
selbstverständlich auch
in Form der Sexualität. Ein
offenes Herz zu haben, in
der Begegnung mit einem
anderen Menschen Sympathie
zu bekunden – all das
vermittelt sowohl dem anderen
als auch einem selbst
ein gutes Gefühl!
Und schließlich habe ich
noch 2 „Ls“. Einerseits das „Lachen“: Man sollte wirklich
jeden Tag versuchen, irgendeine
Blödelei zu erfinden,
Lachkrämpfe zu „sammeln“.
Als Kind hat man
praktisch täglich Lachkrämpfe,
als Erwachsener
geht einem das oft verloren…
Und andererseits das „Loben“: Sagen Sie nicht: „Das ist doch nicht wahr“;
machen Sie stattdessen
Komplimente! Ein gescheiter
Mensch sagte einst zu
mir: „Schmeicheln Sie mir
unverhohlen – und ich glaube
Ihnen alles!“ – Und es
stimmt tatsächlich!
G&V: Frau Turkovic-Wendl,
vielen Dank für das ermunternde
Gespräch!
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