GESUND & VITAL
Themen

 

 

 

 

Die „üblichen” Erkältungen lassen sich wirkungsvoll mit Hausmitteln heilen, zur Vermeidung der Krankheit Influenza empfiehlt sich jedoch die vorbeugende Impfung.

Erkältungskrankheiten
Jetzt wieder im Anmarsch!

Die kalte Jahreszeit hat gerade erst begonnen und schon steigt auch wieder die Wahrscheinlichkeit, sich zu erkälten. Unter einer Erkältungskrankheit versteht man eine normalerweise harmlose Infektion der oberen Atemwege, welche sich durch Schnupfen, Halsschmerzen, Husten und mäßiges Fieber manifestiert.

Die Krankheitsdauer beträgt meist 7 bis 10 Tage, in manchen Fällen sogar bis zu 3 Wochen. Die durchschnittliche erwachsene Bevölkerung hat mit etwa 2 bis 3 Krankheitsepisoden pro Person und Jahr zu rechnen, damit zählen Erkältungen zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt und stellen auch ein entsprechend großes sozioökonomisches Problem dar.

Eine Erkältung entsteht als Folge einer Virusinfektion, am häufigsten sind Rhinoviren und Coronaviren bzw. einer von deren unzähligen Virussubtypen als Ursache zu finden. Die Übertragung der Viren erfolgt üblicherweise als Tröpfcheninfektion oder über direkten Händekontakt. Obwohl eine Erkältung oft auch als „grippaler Infekt“ bezeichnet wird, ist davon unbedingt die „echte Grippe“ bzw. Influenza abzugrenzen.
Die ersten Influenza-Fälle treten normalerweise ab der Vorweihnachtszeit auf. Influenzaviren verursachen typischerweise deutlich schwerer verlaufende Erkrankungen, welche bei Risikopatienten (gehobenes Alter, Grundleiden etc.) im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohend sein können. Charakteristisch für eine Influenza sind ein abrupter Krankheitsbeginn, hohes Fieber (über 38,5° C) sowie Kopf- und Muskelschmerzen, dafür ist der Schnupfen oft nur gering ausgeprägt.

Während die echte Influenza mittlerweile zuverlässig nachgewiesen werden kann, existieren derzeit keine Routinetests zum Nachweis der üblichen Erkältungsviren. Allerdings können die meisten Patienten eine normale Erkältung anhand der typischen Symptomatik zuverlässig selbst diagnostizieren.

Therapieoptionen

Da gegen die üblichen Erkältungsviren derzeit keine ursächliche Therapie mit sogenannten Virusstatika existiert, beschränkt sich die Behandlung auf symptomatische Therapiemaßnahmen. Das körpereigene Immunsystem kümmert sich um die Erregerbekämpfung, wenngleich auch viele der lästigen Symptome letztlich auf diese Immunreaktion zurückzuführen sind. Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos und sollten daher nicht verordnet werden, solange keine Zeichen einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien vorhanden sind. Als Basismaßnahme sollte auf reichliche Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, vor allem bei Fieber.

Auch Dampfinhalationen können eine Symptombesserung bewirken, speziell bei Kindern sollte allerdings auf eine mögliche Verbrühungsgefahr geachtet werden. Hustendämpfende Mittel werden hingegen meist nicht empfohlen, da die Wirkung vieler Präparate umstritten ist und Nebenwirkungen Probleme bereiten können.

Insbesondere bei produktivem Husten, also wenn reichlich Sekret produziert wird, ist der Hustenreiz ein sinnvoller Abwehrmechanismus des Körpers, sich des Auswurfs zu entledigen. Der Einsatz von entzündungshemmenden Schmerzmedikamenten, sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, kann den Hustenreiz vermindern und Schmerzlinderung bringen, bei Kindern ist die Gabe von Acetylsalicylsäure aufgrund möglicher schwerer Nebenwirkungen (Leberversagen) allerdings kontraindiziert.

Vitamin-C?

Vitaminreiche Ernährung ist natürlich grundsätzlich zu propagieren, entgegen weitverbreiteter Meinung konnte allerdings in Studien kein Nutzen einer zusätzlichen Vitamin C-Therapie im akuten Erkrankungsstadium einer Erkältung gezeigt werden. Positive Effekte von Vitamin C als Vorbeugungsmaßnahme konnten nur für Personen mit schwerer körperlicher Aktivität in großer Kälte belegt werden. Auch für Zink- und Echinacea- Präparate ist ein möglicher therapeutischer Nutzen bislang umstritten. Abschwellende Nasensprays oder -tropfen erleichtern die Nasenatmung und den Sekretabfluss, die Einnahme sollte aber nur für wenige Tage erfolgen, um Gewöhnungseffekte und Schleimhautschädigungen zu vermeiden.

Wann zum Arzt?

Obwohl eine Erkältungskrankheit durch Viren hervorgerufen wird, kann es sekundär zu bakteriellen „Superinfektionen“ kommen. Hierbei nützen Bakterien die durch die Virusinfektion gestörte Schleimhautbarriere und verursachen Zweitinfektionen wie beispielsweise eine Lungenentzündung, Infektionen der Nasennebenhöhlen oder des Mittelohres.

Bei anhaltendem Fieber über mehrere Tage oder klinischer Verschlechterung sollte man daher einen Arzt aufsuchen, da in diesen Fällen möglicherweise doch eine Antibiotikatherapie nötig sein kann. Auch Risikopatienten mit relevanten Grunderkrankungen sollten lieber rechtzeitig ärztlichen Rat einholen.
Auch bei schlagartigem Krank- heitsbeginn und schwerer Symptomatik sollte ein Arzt konsultiert werden, da hierbei an eine echte Influenza gedacht werden sollte. Für die Influenza existieren mittlerweile Schnelltests und auch eine kausale Therapie mit Virusstatika, sogenannten Neuraminidase-Hemmern. Eine solche Therapie muss allerdings möglichst umgehend eingeleitet werden (innerhalb der ersten 1 bis 2 Tage), bei späterem Therapiestart ist meist kein großer Nutzen mehr zu erwarten. Außerdem ist es im vergangenen Jahr europaweit zu einer raschen Zunahme an therapieresistenten In- fluenzastämmen gekommen.

Impfung

Da mittlerweile über 200 verschiedenen Erkältungsviren bekannt sind, kann man sich gegen eine normale Erkältung nicht impfen lassen. Für die Influenza existiert eine an die jeweils aktuellen Virusstämme angepasste Schutzimpfung, welche jährlich (vorzugsweise im Oktober oder November) durchgeführt werden sollte. Empfohlen wird die Influenza-Impfung allen Personen über 60 Jahren sowie Patienten mit relevanten Grundleiden.

Auch medizinischem Personal und anderweitig beruflich exponierten Menschen wird die Influenza-Impfung empfohlen, auch deshalb, weil man andere Menschen bereits mit der Influenza anstecken kann, solange man sich selbst noch in der symptomlosen Inkubationszeit befindet.

An dieser Stelle sei Risikopatienten auch die Pneumokokkenimpfung nahegelegt, welche vor den häufigsten Erregern einer Lungenentzündung schützen soll. Diese kann gleichzeitig mit der Influenza-Impfung durchgeführt werden und verleiht einen Impfschutz für ca. 5 Jahre.

Zusammenfassung

Erkältungskrankheiten sind selbstlimitiert verlaufende Virusinfektionen, die man mit üblichen Hausmitteln und symptomatischer Therapie üblicherweise gut übersteht. Antibiotika sind in den meisten Fällen nutzlos, bringen aber diverse Nachteile mit sich und sollten daher nicht verordnet werden. Die echte Influenza ist eine schwere Erkrankung, Risikopersonen sollten sich daher im Herbst rechtzeitig impfen lassen.

OA Dr. Gernot Fritsche
Univ.-Klinik f. Innere Medizin I, Klinische Infektiologie und Immunologie Innsbruck

 

 >>zurück 

 

0