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Ein durch rheumatoide Arthritis entzündetes Gelenk

Rheumatoide Arthritis
Wenn der Körper sich selbst bekämpft, leidet die Lebensqualität

Rheumatoide Arthritis – auch chronische Polyarthritis genannt – zählt zu den am häufigsten anzutreffenden, so genannten „Auto-Immunerkrankungen“. Darunter versteht man eine Störung unseres Immunsystems, das außer Kontrolle gerät und sich gegen den eigenen Körper richtet.

Diese dauerhafte, entzündliche Reaktion kann von äußerst schmerzhaften, chronischen Gelenksentzündungen bis hin zu bleibender Gelenkszerstörung und auch Schädigung der inneren Organe führen. Die Entstehungsursache dieser Krankheit ist ungeklärt.

Die Lebensqualität leidet stark

In Österreich leiden rund 80.000 Patienten (0,5 – 1% der Bevölkerung) an rheumatoider Arthritis, Frauen sind drei Mal häufiger betroffen als Männer. Meist tritt die Krankheit im Alter von 40 bis 60 Jahren auf, aber auch immer mehr Jüngere sind betroffen. Zu den Symptomen der Erkrankung zählen unter anderem morgendliche Steifigkeit der Finger und symmetrisch auftretende Gelenksschwellungen, zu Beginn oft in den Fingergelenken.

Mit fortschreitender Gelenkszerstörung kann die Krankheit durch Gelenksversteifungen und -verformung sogar zur Invalidität führen. Eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität ist die Folge. Nach zwei Jahren können ca. 20 Prozent der Betroffenen ihren Beruf nicht mehr ausüben, nach zehn Jahren bereits etwa 50 Prozent. Ein rasches Abklären von Beschwerden und ein Therapiebeginn zu einem möglichst frühen Zeitpunkt ist deshalb notwendig.
Feuer löschen, bevor das ganze Haus brennt

Ein früher Therapiebeginn ist deshalb so wichtig, weil die Zerstörung der Gelenke am Beginn der Erkrankung am stärksten ausgeprägt ist. Aber eine frühe Therapie setzt auch eine frühe Diagnose voraus – und hier geht oft noch viel zu viel Zeit verloren, denn viele Patienten suchen leider zu spät ärztliche Hilfe. Schon nach sechs Monaten können nicht mehr rückgängig zu machende Schäden an den Gelenken auftreten. „Prinzipiell muss bei jedem Patienten, der über mehr als sechs bis acht Wochen hinweg unter Gelenksschwellungen leidet, an das Vorliegen einer chronischen Polyarthritis gedacht werden”, sagt Univ.-Doz. Dr. Ludwig Erlacher, Facharzt für Innere Medizin und Experte für Rheumatologie am Kaiser-Franz Josef Spital Wien. Es gilt daher: Lieber einmal zuviel zum Arzt, als zuwenig. Ist die Diagnose einmal gesichert, sollte rasch mit einer medikamentösen Basistherapie begonnen werden.

Nicht heilbar, aber gut behandelbar

Rheumatoide Arthritis (RA) ist nicht heilbar. Doch die pharmazeutische Forschung hat in den vergangenen Jahren Präparate entwickelt, mit denen man die Krankheit gut in Schach halten kann. Dozent Erlacher: „Ziel einer Behandlung ist es, den Entzündungsprozess zu stoppen und damit die Gelenkszerstörung aufzuhalten beziehungsweise einzubremsen.”

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, die Entzündungen gezielt zu behandeln, haben Forscher nun die zentrale Rolle von Interleukin-6 (IL-6) bei der Entwicklung dieser Krankheit entdeckt. Dieser komplett neue Wirk-Ansatz in der Behandlung von RA wird vom Schweizer Pharmaunternehmen Roche im Frühjahr 2009 in Österreich auf den Markt kommen (Wirkstoff: der Antikörper Tocilizumab).

„Special Agent“ IL-6

IL-6 zählt zu den sogenannten Zytokinen: das sind Proteine, die als biochemische Botenstoffe den Informationsaustausch zwischen Zellen ermöglichen und die für die Erhaltung der Gesundheit eine besondere Rolle spielen.
IL-6 gilt aber auch als jenes Zytokin, das in erster Linie chronische Entzündungen bei Patienten mit RA auslöst. Eine Überproduktion von IL-6 führt nicht nur zu Gelenkentzündungen und Gelenkschädigungen, die für RA typisch sind, sondern auch zu Effekten wie Anämie (Blutarmut), Müdigkeit und einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der Antikörper Tocilizumab unterbricht den Transfer des Botenstoffs IL-6, indem es an IL-6-Rezeptoren (IL-6R) andockt. Dadurch verringert es die entzündungsauslösende Wirkung von IL-6 und verlangsamt das Fortschreiten von rheumatoider Arthritis, sowohl in den Gelenken als auch im ganzen Körper.

Fünf klinische Studien mit über 4.200 Patienten in 41 Ländern haben gezeigt, dass mit Tocilizumab bei 30 Prozent der behandelten Patienten ein krankheitsfreier Zustand („Remission“) erreicht werden konnte, unabhängig von Dauer der Krankheit und zuvor erhaltenen Therapien.

 

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