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Stress
Was tut sich dabei im Körper?

Stress sind nicht unbedingt die Dinge, die uns über den Kopf wachsen, sondern die Tatsache, dass wir sie uns über den Kopf wachsen lassen. Es sind auch nicht immer außergewöhnliche Ereignisse, die uns aus der Bahn werfen, auch der Alltag kann uns krank machen. Wenn wir zulassen, dass Dinge uns beherrschen, statt dass wir sie mit kühlem Kopf regeln, kann uns das unsere Gesundheit kosten.

Ein bisschen Stress wäre ja gesund, nur bleibt es leider meist nicht dabei. Wenn jemand dauernd auf Hochtouren läuft, schadet er aber seiner Gesundheit. Die noch relativ harmlosen Folgen von Langzeitstress sind Ermüdung, Erschöpfung und innere Unruhe.
Dabei spielen Stresshormone eine wichtige Rolle. Sie bewirken Blutdrucksteigerung, Erhöhung der Pulsfrequenz, veranlassen das Herz schneller zu schlagen, beschleunigen die Atmung und führen zu einer stärkeren Muskelanspannung. Nimmt der Stress aber kein Ende, bedeutet das, dass die Leistungsreserven des Körpers erschöpft werden und dadurch kann es zu einer Schwächung des Immunsystems kommen. Das kann wiederum zu organischen Schäden wie Magengeschwüren führen und auch das Infarktrisiko erhöhen.

Jeder Mensch hat aber seine ganz persönliche Stressschwelle

Eine wichtige Hilfe gegen Stress ist auch das Wort „Nein“. Nämlich zu Dingen, die uns nerven und uns nicht wichtig sind. Dadurch gewinnen wir Zeit, aber auch seelische Kraft, die wir besser einsetzen können. Wenn wir uns nicht durch Druck und Erwartungen von außen manipulieren lassen, bekommen wir auch mehr Kontrolle über unser eigenes Leben und leiden dadurch auch
weniger unter Stresssymptomen.

Frauen und Männer leben in derselben Welt. Beide stecken im Verkehrsstau, haben Ärger in der Arbeit, Frust in Beziehungen, haben Familiensorgen und müssen mit unvorhergesehenen Ereignissen fertig werden. Aber da-rüber hinaus müssen sich Frauen ständig noch mit den widersprüchlichsten gesell- schaftlichen Erwartungen auseinandersetzen: Sie sol-len Kinder bekommen, einen Beruf ausüben und den Haushalt nicht vernachlässigen; sie sollen sich durchsetzen, dabei aber nicht aggressiv werden. All diese physischen und psychischen Va- rianten von spezifischem Frauenstress führen zu vielen Spannungssymptomen.
Frauenstress wird aber noch immer nicht genügend ernst genommen und das, obwohl die schädlichen Auswirkungen von Dauerbelastungen hinlänglich bekannt sind. Stress spielt bei allen psychosomatischen Erkrankungen eine große Rolle, einschließlich Geschwüren, Asthma und Allergien, dasselbe gilt für Depressionen, Angstzustände, Schlaflosigkeit und Alkoholismus.

Die Hauptquelle weiblichen Stresses besteht hauptsächlich in dem Anspruch, sich ständig in die Bedürfnisse und Wünsche anderer – in erster Linie der Familienmitglieder – einfühlen zu können, immer allen alles recht machen zu wollen und gleichzeitig die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurückzustellen.

Dazu kommt der unbewusste Anspruch an sich selbst, alles perfekt machen zu wollen. Sie wollen nicht nur gut im Beruf, eine Supermutter, eine tolle Partnerin und eine hervorragende Köchin und Gast- geberin sein, sondern außerdem noch gut aussehen, intelligent, aber nie müde oder erschöpft sein. Klappt etwas nicht nach Wunsch, reagieren sie mit Schuldgefühlen und schaffen sich damit zusätzlichen Stress. Die ständige Vorstellung, was sie alles tun hätten sollen, stellt häufig eine größere Belastung dar, als die ausreichend lange Liste der Dinge, die ohnehin erledigt wurden.

Viele Frauen können aus dem Beruf Kraft schöpfen, sie bekommen Lob und Anerkennung, Hausfrauen dagegen können meist nicht
auf Derartiges zurückgreifen. Hausfrauen haben zwar insgesamt oft mehr Zeit, aber ihr Stress ist deshalb nicht geringer, weil sich viele ihre Latte enorm hoch legen. Darüber hinaus schafft die finanzielle Abhängigkeit ein Gefühl der Unfreiheit und dazu gesellt sich noch die Belastung der Isolation und Monotonie. Das sich daraus resultierende Selbstwertgefühl äußert sich oft in depressiven Verstimmungen.

Ein versteckter, aber nicht zu unterschätzender Stressfaktor sind Schuldgefühle wie z. B. weniger rauchen, mit einer Diät beginnen, das Auto zum Service bringen und mehr Zeit mit dem Kind verbringen.

Warnsignale: Reizbarkeit, Kopf- und Rückenschmerzen, Verspannungen, Unzufriedenheit, Tinnitus, Gewichtsveränderungen.
Frühstadium: Immunabwehr sinkt, Kräfte lassen nach, Genussmittelmissbrauch steigt, Gefühlsveränderungen, Ungeduld.
Fortgeschrittenes Stadium: Widerwillen, Fehlhandlungen, Urlaub bringt nur kurzfristig Erleichterung, Rückzug, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Gesundheitsprobleme.

Wann muss man bei sich und anderen aufpassen?
Bei sehr hohem Engagement, Gefühl der Unentbehrlichkeit, ständiger Erreichbarkeit, Gefühl keine Zeit zu haben für körperliche, seelische und soziale Bedürfnisse, Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen.

Stressverstärker:
Mehrfachbelastungen, schwieriges Privatleben, Perfektionismus, Helfersyndrom, hoher Ehrgeiz, Mobbing, Arbeitsplatzverlust.

Jeder Mensch reagiert auf Belastungen anders

Eine Situation, die für einen besonders stressig ist, ist für den anderen geradezu anregend oder nur gering belastend. Im Gesamtkontext des Lebens summieren sich dennoch Stressfaktoren, die häufig langanhaltend sind und sich oft auch noch der Kontrolle entziehen. Deshalb ist es wichtig, alle zusätzlichen Belastungen so gering wie möglich zu halten.

Mag. Sigrid Sohlmann
Psychotherapeutin, Kinder- und Jugendlichentherapeutin,
Supervisorin, Coach, Seminarleiterin
Praxis: Strohmayergasse 2/Top 29, 1060 Wien
Tel.: +43/(0)664/2561036
office@sohlmann-psychoprax.at
www.sohlmann-psychoprax.at

 

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