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Facharzt-Tipp:
Dr. Thomas Schwingenschlögl


 

 

Der Lupus
Durch eine Störung des Immunsystems ausgelöst

Rheuma ist keine einzelne Krankheit sondern bezeichnet mehr als 400 verschiedene Erkrankungen an unseren Gelenken, Muskeln, der Wirbelsäule, den Sehnen und dem Bindegewebe (=Weichteile). Sie alle verursachen starke Schmerzen, ein Steifheitsgefühl und eine Einschränkung der Beweglichkeit. Die Ursache und Behandlung der einzelnen Erkrankungen sind aber meist völlig unterschiedlich.
Gelenksentzündungen wie die chronische Polyarthritis, Wirbelsäulenentzündungen wie der Bechterew oder Muskelentzündungen wie die Polymyalgia rheumatica gehören genauso zu den rheumatischen Erkrankungen wie Gelenksabnützungen und Veränderungen an den Weichteilen wie der Tennisellbogen oder die Fibromyalgie.
Daneben gibt es noch eine weitere Gruppe rheumatischer Leiden, die vor allem eine Entzündung des Bindegewebes, der Blutgefäße aber auch innerer Organe hervorrufen. Diese Gruppe mit dem Namen „Kollagenosen“ bezeichnet und durch eine Störung unseres Immunsystems ausgelöst.

Das Immunsystem ist krank

Kollagenosen sind Autoim-munerkrankungen. Durch bis- lang noch unbekannte Faktoren wie möglicherweise Virusinfekte, Stress, Rauchen, genetische Veranlagung, hormonelle Schwankungen oder Sonnenbestrahlung gerät unser Immunsystem außer Kontrolle und richtet sich gegen unseren eigenen Körper. Dies führt zu einer Entzündung in den Gelenken, Muskeln, Sehnen, im Bindegewebe aber auch in den Blutgefäßen und diversen inneren Organen. Und diese Entzündung löst dann Schmerzen, Steifheit, Unbeweglichkeit aber auch ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, Gewichtsabnahme und verschiedene Organbeschwerden aus.

Der Lupus

Die Bezeichnung Lupus, in der Fachsprache Lupus erythematodes genannt, kommt aus dem Lateinischen. Dort heißt der Wolf Lupus. Da die Betroffenen früher oft starke Hautveränderungen hatten, die den Wunden nach Wolfsbissen ähnlich sahen, kam man zu diesem Namen. Erythematodes ist vom Englischen abgeleitet und bedeutet „errötend“. Die meisten Lupuspatienten weisen Hautrötungen, vor allem im Gesichtsbereich, auf.
Der Lupus ist eine der häufigsten Kollagenosen und befällt vorwiegend junge Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.

Folgende Beschwerden sind typisch:
• Allgemeine Veränderungen wie Müdigkeit, Krankheitsgefühl, erhöhte Temperatur oder Fieber, unklarer Gewichtsverlust, Haarausfall, Sonnenempfindlichkeit und Lymphknotenschwellungen.
• Hautveränderungen wie eine schmetterlingsförmige Rötung auf den Wangen und am Nasenrücken. Daneben können am ganzen Körper vereinzelt scharf begrenzte, scheibenförmige und oft schuppende Hautausschläge auftreten. An der Mundschleimhaut finden sich kleine Geschwüre. Durch Sonnenbestrahlung wird die Haut generell schlechter.
• Gelenksbeschwerden: die meisten Patienten kommen wegen Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken zum Arzt. Die betroffenen Gelenke schmerzen sowohl auf Druck und bei Bewegung, sind angeschwollen, oft gerötet, heiß und sind steif. Grundsätzlich können alle Gelenke entzündet sein, am häufigsten die Finger-, Hand- und Kniegelenke. Natürlich können Schmerzen auch in den Muskeln und Sehnen auftreten.
• Organbefall: das Gefährliche am Lupus ist eine Entzündung an den inneren Organen. Bei einer Herzbeutelentzündung ist das Herz bei seiner Arbeit blockiert. An der Lunge kommt es zu einer Lungen- oder Rippenfellentzündung. Entzündungen des Nervensystems lösen Krampfanfälle, Konzentrationsstörungen und Depressionen aus. Bei einer Nierenentzündung wird die Filter- und Entgiftungsfunktion der Niere gestört, was dramatische Folgen haben kann.

Zur Diagnose

Neben einer gründlichen klinischen Untersuchung führen Laborbefund und bildgebende Methoden zur Diagnose. Entzündungsmarker wie die Blutsenkung, C-reaktives Protein und diverse Eiweiße sind meist deutlich erhöht. Veränderungen des Blutbildes sind häufig. Der Rheumafaktor selbst ist dagegen nur selten positiv.
Dagegen treten fast immer bestimmte Autoantikörper im Blut auf, die als „ANA“ bezeichnet werden. Diese Gruppe der ANA besteht wiederum aus mehreren Untergruppen, die dann bei den einzelnen Kollagenosen ein Muster bilden.
Da der Lupus gerne innere Organe befällt, sollten regelmäßig Nieren, Herz, Lunge, Verdauungstrakt und Nervensystem untersucht werden.

Moderne Therapien

Beim Lupus und den Kollagenosen handelt es sich durchaus um Erkrankungen, die einen das ganze Leben lang begleiten. Was aber nicht heißt, daß man ständig eine medikamentöse Therapie braucht. Oft gibt es langjährige Phasen, in denen die Kollagenose kaum aktiv ist. Dann sind keine Medikamente erforderlich.
Auch bei leichten Beschwerden wird man mit Antirheumatika auskommen. Das sind Substanzen, die entzündungs- hemmend und schmerzlindernd wirken. Diverse Hautcremen und ein konsequenter Sonnenschutz mit hohem UV-Filter sind bei Hautveränderungen wirksam.
Ist der Lupus aktiver, braucht man sogenannte „Basismedikamente“. Diese Arzneien drosseln das überaktive Immunsystem und bringen es auf ein gesundes normales Niveau. Entzündungen in den Gelenken und Organen lassen nach.
Verschiedene Substanzen wie Chloroquin, Azathioprin, Methotrexat, Cyclosporin A, Cyclophosphamid und Mycophenolat-Mofetil kommen zum Einsatz. Alle diese Medikamente sollten allerdings nur von einem erfahrenen Spezialisten verschrieben werden und bedürfen regelmäßiger Kontrollen.

Bei Entzündungen innerer Organe und schweren Krankheitsverläufen wird man, zumindest zeitweise, ohne Cortison nicht auskommen, wobei immer eine möglichst niedrige Dosis gewählt wird. Organbeteiligungen erfordern zusätzliche spezifische Maßnahmen.

Individueller Therapieplan

Da Kollagenosen immer das Bindegewebe, Muskeln, Sehnen und Gelenke betreffen, sind laufende physikalische Therapien wie Heilgymnastik, Unterwassergymnastik und Bindegewebsmassagen notwendig. Milde Wärmeanwendungen in Form von Paraffinpackungen oder Heublumenbädern lindern Gelenksschmerzen. Kohlensäurebäder fördern die Hautdurchblutung.
Sind Gelenke bereits abgenützt, kommen Knorpelaufbaumittel zum Einsatz. Sie bewirken eine Zunahme der Beweglichkeit, eine Schmerzlinderung und damit eine Verbesserung der Lebensqualität. Bei großen Gelenken wie Knie, Hüfte, Sprunggelenke und Schulter hat sich die intraartikuläre (direkt in das Gelenk verabreichte) Injektion von Hyaluronsäure bestens bewährt.
Alternativ-medizinische Heilverfahren wie Akupunktur, Homöopathie, Magnetfeldtherapie, Chiropraktik und Neuraltherapie haben sich in den letzten Jahren zunehmend etabliert und können ideal mit der Schulmedizin kombiniert werden. Und auch die richtige Ernährung hilft bei der Behandlung mit.
Der Lupus ist eine langwierige Erkrankung, die der Spezialist regelmäßig überwachen muß und je nach Aktivität der Krankheit behandelt. Wie in vielen Bereichen der Medizin gilt auch in der Rheumatologie: je früher behandelt wird, desto besser die Erfolgsaussichten.

www.dr-schwingenschloegl.at

 

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