GESUND & VITAL
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Dr. Karin Amrein ist sowohl beruflich als auch privat eine vielseitige und bemerkenswerte Persönlichkeit.

 

Dr. med. Karin Amrein
Bereits mit 21 Jahren die jüngste promovierte Medizinerin in Österreich

Die mittlerweile 28-jährige Grazerin arbeitet seit Herbst 2006 wieder am Landeskrankenhaus Universitäts Klinikum Graz. Neben Beruf und Familie findet Dr. Amrein auch noch Zeit eine Ausbildung zum Master of Advanced Studies (Health and Fitness) an der Universität Salzburg zu absolvieren.

G&V: Wie früh wussten Sie, dass Sie Ärztin werden und was waren Ihre Motive?
Dr. Amrein: Mit 14 ist mir plötzlich die „Erleuchtung“ gekommen: Medizin ist das einzig Wahre für mich. Es gab kein auslösendes Ereignis, aber mir ist schlagartig klar geworden, dass Medizin ein extrem vielseitiges, spannendes Feld mit einer lohnenden sozialen Komponente in vielen Facetten verbindet.

G&V: Wie haben sie die praktische Ausbildung (im Spital) erlebt? Spürt man hier, dass „Lehrjahre keine Herrenjahre“ sind?
Dr. Amrein: Ich habe den Grossteil meiner Facharztausbildung in der Schweiz (Luzern, Bern) verbracht, wo das System teilweise stark vom österreichischen abweicht. Beispielsweise gibt es keine Turnusärzte und die Pflege hat viel mehr Kompetenzen. Das Hierarchiegefälle ist etwas flacher und eher auf Leistungen als auf Titel und Positionen begründet. Meiner Meinung nach ist die Ausbildung härter, aber auch besser.
Die ersten Jahre waren natürlich sehr anstrengend – fachlich wie menschlich. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser: plötzlich ist man damit konfrontiert, ständig Entscheidungen treffen zu müssen. Fast noch wichtiger ist aber, abschätzen zu lernen, wo die eigenen Grenzen liegen und ab wann man Hilfe benötigt.

G&V: Die aktuelle Gesundheitsreform geht stark auf Kosten der Ärzte. Wie sehen Sie Ihre künftige berufliche Rolle in diesem System?
Dr. Amrein: Ich liebe Medizin als Berufsfeld, aber alles werde ich nicht mitmachen. In erster Linie ist es mir wichtig, eine anspruchsvolle, vielseitige Tätigkeit mit Entwicklungsmöglichkeiten auszuüben, aber dies muss nicht um jeden Preis als Ärztin sein.

G&V: Wie schätzen Sie als Ärztin die Bereitschaft der österreichischen Bevölkerung ein, selbst etwas für die Gesundheit zu tun?
Dr. Amrein: Das ist ein Riesenthema: grundsätzlich ist doch jeder bereit, etwas für sich und seine Gesundheit zu tun. Es kommt aber stark auf das subjektiv wahrgenommene „Aufwand-Nutzen“-Verhältnis an. Viele finden es verlockend, einfach Präparate wie z.B. Vitamine einzunehmen, die Gesundheit versprechen. Mit ein bisschen Überwindung hat aber jeder das Potential, viel für sich selbst herauszuholen, vor allem im Bereich Bewegung. Ich mache gerade eine 2-jährige Ausbildung an der Universität Salzburg, die sich mit dem Thema auseinandersetzt.

G&V: Neuerdings steht die medizinische Forschung – speziell in England – stark in der Kritik. Glauben Sie, dass in der Stammzellenforschung alles erlaubt werden soll, um neue Wege der Krankheitsbekämpfung (Alzheimer, Krebs) zu finden?
Dr. Amrein: Was heißt alles? Alles kann und soll natürlich nicht erlaubt sein, dafür sind Ethikkommissionen eine wichtige Einrichtung. Aber die Angst vor Gentechnik und -forschung in der Bevölkerung ist oft nicht rational nachzuvollziehen.

G&V: Der Arztberuf ist bekanntermaßen sehr anstrengend. Was tun Sie zum Ausgleich bzw. um GESUND & VITAL zu bleiben?
Dr. Amrein: Ich kann sehr intensiv an etwas arbeiten, aber mir sind meine Freizeit und ein Leben außerhalb des Spitals außerordentlich wichtig. Ich glaube, dass dies maßgeblich zur langfristigen Freude an der Arbeit, zur Stresstoleranz und Burn-Out-Prophylaxe beiträgt.
Die harmonische Beziehung zu meinem Mann, aber auch zu Familie und Freunden sind essentielle Faktoren. Außerdem habe ich mir regelmäßiges Laufen angewöhnt, was mir nach anfänglicher Überwindung nun wirklich Spaß macht. Ich liebe gute Bücher, gute Filme und selten, aber doch auch Playstation-Spiele. Alle diese Varianten entführen einen in eine andere Welt, in der man so abgelenkt ist, dass man in keiner Weise an die ganzen alltäglichen Probleme und Problemchen denken muss.
Wenn ich zeitweise sehr viel arbeite, merke ich inzwischen: jetzt brauche ich wieder mal ein, zwei Tage Ruhe; man muss da auf seinen Körper achten.

G&V: Frau Dr. Amrein, alles Gute und danke für das Gespräch!

 

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