GESUND & VITAL
Themen

 

 

Alte Schule: Die 80-jährige Russland-Emigrantin
begleitet sensibel

 

 

 

 

 

Maestro
Leopoldo Mucci


 

 

„Opera Night” in Greenwich Village
New York: Essen, Trinken und Arien-Hören

Für durchschnittliche Europäer ist New York gewöhnungsbedürftig laut. 24 Stunden lang. Das strapaziert schon irgendwann und man sehnt sich nach einer Ruhe-Insel. Gut, dass es im Süden von Manhattan – im Greenwich Village – das „Caffè Tacci“ gibt. Einen Abend lang gondelt man bei italienischen Genüssen durchs Opernrepertoire der „Alten Welt“.

Die Speisekarte ist es nicht, die den Unterschied macht. Was hier aufgelistet wird, bekommt man in Jesolo, Bibione oder Udine ebenso. Die Weine (mit minimalen Ausnahmen) stammen aus Italien, lauter Klassiker ihrer Sorten (Chianti, Barolo etc.).
Doch sobald die ersten Tische des stimmungsvoll eingerichteten „Caffè Tacci“ mit Vorspeistellern gedeckt sind, geht die Verwandlung los.
Wer’s nicht weiß oder besonders genau hingeschaut hat, sieht erst jetzt, dass nahe dem Weg zur Küche ein Piano steht. An dieses setzt sich eine alte Frau im einfachen, großgeblumten Kleid und riesiger Brille. Wie ein de-zenter Hintergrundmusiker stimmt sie Melodien aus Opern, bisweilen auch aus Musicals an. Noch übertönt die Konversation das Klavier. Es ist Freitag oder Samstag Abend.

Tosca kommt

Als ein asiatischer Herr Anfang 30 das Podest (auch dies war zuvor nicht aufgefallen) erklimmt, verwandelt sich das hintergründige Piano in ein brausendes Orchester und man vergisst unter Umständen, den nächsten Bissen Spaghetti in den Mund zu stecken: Tosca ist da! Mit voller stimmlicher Wucht reißt uns schon die erste Arie in den Bann eines Spektakels, das im Laufe des Abends mit geringsten Mitteln große Wirkung erzeugt.
Nach und nach wird die Bühne von großen Gestalten der Oper bevölkert. Mozart, Verdi und ein halbes Dutzend italienischer Tonschöpfer liefern „Hits am laufenden Band“.
Weibliche und männliche Stimmen von gewaltigem Umfang und beträchtlichem Volumen machen sehr rasch klar, dass sie alles andere als „Nachspeise“ sind. Das Menü heißt Oper, Beilage sind Essen und Trinken.

Talente-Vielfalt

Die Dame am Piano stammt aus Moskau, war dort mehr als ein halbes Leben lang Professorin und Liedbegleiterin. Inzwischen ist sie über 80 Jahre alt, Notengedächtnis und Finger der Emigrantin lassen keine Wünsche offen. Ihre Blicke und kleinen hilfreichen Gesten zeigen, wie mütterlich liebevoll sie mit den Akteuren der Bühne verbunden ist.
Diese sind die typische Talente-Mischung à la New York: eine dunkelhäutige, ständig gut aufgelegte Artistin, deren Stimmgewalt die Gläser zum Beben bringt, eine Hot-Pant-Trägerin in kühnen Sopran-Höhen, die mit viel Temperament auch Musical singt oder der riesenhafte Bass aus Chicago, der gleichermaßen im Solo wie im Duett beeindruckt ….
Hier treffen Bühnenprofis auf Musikstudenten, im Restaurant sitzen kundige Opernfreunde neben sprachlos Begeisterten. Im Applaus vereinigen sie sich harmonisch.
Eingefädelt hat die ganze Idee ein Norditaliener: Leopoldo Mucci. Getrieben von seiner Opernbegeisterung scharte er vor ein paar Jahren Musikstudenten um sich, die in dem von ihm eröffneten „Caffè Tacci“ die Chance erhalten sollten, sich im Publikumsauftritt ohne die Gefahren des professionellen „Verrisses“ zu bewähren.

Viele der von ihm geförderten Talente der Gründungszeit sind ihm und dem Publikum bis heute treu geblieben. Der Reiz des kleinen, ungewöhnlichen Opernhauses in Greenwich Village dauert ganz offensichtlich länger als einen Abend.
Tatsächlich schwebt man geradezu hinaus in die milde New Yorker Nacht, wenn zum abschließenden Espresso noch mit aller Kraft „Figaro, Figaro“ von der Bühne dröhnte.

www.caffetaci.com

 

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