|
 |

Eltern werden ist ein Abenteuer
Veränderungen in der Beziehung während der Schwangerschaft
Psychologisch gesehen, besteht die Hauptaufgabe während der Schwangerschaft darin, das Baby in die eigenen Pläne und Gefühle zu integrieren. Obwohl diese Herausforderung für Männer und Frauen ähnlich ist, kann sie verschiedene Auswirkungen haben. Jede neue Erfahrung, die man während dieser Zeit macht, bringt einen dem Vater- und Muttersein näher.
Schwangerschaft bedeutet sowohl für den Mann als auch die Frau eine Veränderung ihrer Beziehung. Dabei entsteht auch ein großes Wechselbad der Gefühle, wobei das besondere Erlebnis einer Schwangerschaft die Möglichkeit schafft, die Beziehung noch inniger und fester zu gestalten.
Anfänglich ist Sex mit großer Unsicherheit verbunden, denn es stellt sich für fast jedes Paar die Frage „dürfen wir?“ und „kann Geschlechtsverkehr dem Ungeborenen schaden?“
Meist geht es aber gar nicht um körperliche Probleme, wenn Paare während der Schwangerschaft Schwierigkeiten mit dem Sex haben. Viele schwangere Frauen sind während der Schwangerschaft einfach so sehr mit sich selbst und den vielen Veränderungen, die sich in ihrem Körper abspielen, beschäftigt, dass Sex oftmals für sie während dieser Zeit nicht wichtig ist.
Verständnis ist gefragt
Aber auch für Männer ist die Schwangerschaft nicht ganz einfach. Es ist für einen werdenden Vater nicht ungewöhnlich, während der Schwangerschaft seiner Partnerin eifersüchtig zu sein. Der Partner muss häufig damit leben, dass Freundinnen, die schon Mütter sind, vorübergehend wichtiger werden als er. Zum anderen verändert sich die Partnerin auch körperlich. Man sollte versuchen, die veränderte Figur positiv zu sehen. Der Körper einer Schwangeren ist sehr sinnlich und das Bild, das man von sich hat, ist wichtig. Die Selbstsicherheit, die dadurch entsteht, lässt einen gut und strahlend aussehen und die Schwangerschaft genießen.
Dazu kommt, dass sowohl Frauen als auch Männern durch die erste Schwangerschaft bewusst wird, dass sie künftig Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen müssen. Auch die Frage ob man der Elternrolle gerecht werden kann, geistert durch die Köpfe. Vaterschaft bedeutet harte Arbeit, eine Menge Verantwortung und viel Zeit. Aber sie macht sich durch große Freude, Befriedigung und Glück und neue Erfahrungen bezahlt.
Gefühle aussprechen
Jede Frau sollte wissen, dass es einem Mann nicht möglich ist, dasselbe zu empfinden wie sie. Er ist einfach nicht schwanger. Er weiß auch nicht, wie es ihr wirklich geht, was sie fühlt, welche Ängste sie hat. Er ist einfach darauf angewiesen, dass sie ihn an der Schwangerschaft, an ihren Gefühlen und Wünschen teilhaben lässt. Umgekehrt wäre es sinnvoll, wenn ebenso Männer mit ihren Ängsten und Bedenken sich der Partnerin öffnen, denn das tut der Beziehung auf jeden Fall auf längere Sicht gut.
Wir erleben immer wieder, dass zwischen Paaren Sprachlosigkeit herrscht und gerade dadurch Probleme immer größer werden. Es sind daher beide gefragt über ihre Sorgen, Gefühle, Wünsche und Ängste zu reden. Wichtig in der Schwangerschaft ist daher, miteinander „zu reden und zu reden“ und die Bedürfnisse des Anderen ernst zu nehmen.
Die Frau ist zwar dieselbe wie vor der Schwangerschaft, aber nur oberflächlich betrachtet. Die Hormonumstellung und die körperlichen Veränderungen bleiben nicht ohne Spuren. Frauen sind während der Schwangerschaft sensibler, labiler, weinen häufiger, ihre Launen wechseln schnell, sie zeigen starke Reaktionen auf Kleinigkeiten, haben manchmal Schlafstörungen, sind reizbarer und fühlen sich unsicher und überängstlich. Deshalb ist die emotionale Anteilnahme des Partners so wichtig. Sie muss wissen, dass sie geliebt wird.
Neun Monate ein wenig mehr Rücksichtnahme ist einfacher, als ein Kind auszutragen und zu gebären. Wenn diese Solidarität fehlt, kann eine Schwangerschaft zu einer ernsten Krise in der Paarbeziehung führen, besonders dann, wenn sie überraschend, ungeplant und scheinbar nicht in den Lebensplan passend eingetreten ist.
In ganz verfahrenen Situationen sollten sich die Partner nicht scheuen, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, denn die Hoffnung, dass alles besser wird, wenn das Kind erst mal da ist, erfüllt sich selten. Denn da geht der Stress erst richtig los und es bleibt kaum Zeit für Aussprache und Konfliktbewältigung.
...und nun zu Dritt!
Eine zweite Häufung von Krisen ist kurz nach der Geburt zu Hause zu beobachten. Die Mutter ist müde und „nur” für das Baby da. Da sind viele Männer froh, wenn sie der neuen ungewohnten Situation durch ihre Arbeit wenigstens teilweise entfliehen können.
Da hilft nur eines: Die Mütter müssen lernen, den Vätern den Umgang mit dem Baby zuzutrauen. Frauen bemerken den unsicheren Umgang des Partners mit dem Kind und kümmern sich noch mehr, der Vater fühlt sich noch nutzloser. Um aus dieser Spirale heraus zu kommen ist es wichtig, dass der Mann von Anfang an seine Verantwortung für das Kind einfordert. Es ist aber ganz normal, dass der Vater mit dem Kind anders umgeht als die Mutter. Aber entwicklungspsychologisch hat beides einen großen Wert, weil es bestätigt, dass die Beziehung zu mindestens zwei Personen wichtig für die Gesamtentwicklung ist.
Auch muss der Mann einen eigenen Weg im Umgang mit seinem Kind finden, der von der Partnerin akzeptiert werden sollte. Wenn sich das Zusammenleben gut einspielt, entsteht nicht das ausgeprägte Ungleichgewicht in der Kinderbetreuung, das zu weiteren Konflikten führen kann.
Eines darf man auf keinen Fall vergessen, dass Mütter und Väter mehr oder weniger gleich unwissend sind, was Babys und Kleinkinder betrifft. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg für Eltern. Man muss nur bereit sein, sich Zeit zu nehmen, sich zu trauen, aufmerksam zu sein, Fehler zuzugeben und zu wissen, dass es allen Eltern so geht.
Experten-Tipp:
Mag. Sigrid Sohlmann
Psychotherapeutin, Kinder- und Jugendlichentherapeutin,
Supervisorin, Coach, Seminarleiterin
Praxis: Strohmayergasse 2/Top 29, 1060 Wien
Tel.: +43/(0)664/2561036
office@sohlmann-psychoprax.at
www.sohlmann-psychoprax.at
>>zurück
|
 |