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„Den Tumor aushungern“ –
ein höchst innovativer Ansatz in der Behandlung von Brustkrebs
In Österreich werden jährlich etwa 5.000 neue Fälle von Brustkrebs diagnostiziert, jede achte Frau ist im Laufe ihres Lebens von der Erkrankung betroffen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass viele dieser Frauen gerettet werden können, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und therapiert wird.
Deshalb ist der Einsatz von innovativen Medikamenten für die Behandlung von so kritischer Bedeutung“, sagt Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Präsident der ABCSG (Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group) und stv. Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie Wien. Antikörper-Therapien zählen in der Behandlung von Krebs zu den wichtigsten und modernsten Behandlungsmethoden Worin liegt nun der Unterschied zu herkömmlichen Chemotherapien?
Dieser besteht unter anderem darin, dass Chemotherapien kranke und gesunde Zellen zugleich schädigen – sie wirken gewisser Maßen wie eine „Schrotflinte“, und damit eben nicht punktgenau. Antikörpertherapien greifen zielgerichtet an. Gesunde Zellen werden verschont. Genauer gesagt greifen Antikörpertherapien nur spezielle Merkmale – nämlich genau definierte Eiweißstrukturen – an der Oberfläche von Tumorzellen an. Dadurch wird der Wachstumsfaktor in seiner Wirkung an der Tumorzelle gehemmt. Antikörper-Therapien haben zudem geringe Nebenwirkungen, Chemotherapien dagegen, typische Nebenwirkungen (z.B. Schädigungen des blutbildenden Systems im Knochenmark, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Durchfall). Bei der Antikörpertherapie sind Nebenwirkungen nicht zu erwarten.
Folglich konzentriert sich die Forschung auf die Entwicklung krebstherapeutischer „Scharfschützengewehre“, so genannter „targeted therapies“ (zielgerichtete Therapien). Sie haben nur ein Ziel „im Visier“: den Tumor.
Den Tumor „aushungern“
Das Krebsmedikament Bevacizumab (Handelsname: Avastin) vom Schweizer Pharmaunternehmen Roche ist ein so genannter Angiogenesehemmer.
Ausgangspunkt der Antiangiogenese ist die Tatsache, dass Krebsgeschwüre sehr rasch wachsen und daher viel Sauerstoff und Nährstoffe benötigen. In der Anfangsphase bedienen sie sich dazu der normalen Blutversorgung des Organs, das sie befallen haben, doch diese Ration reicht nur für Tumorgrößen von ein bis zwei Millimeter – die uns also kaum gefährlich werden könnten. Geschwüre, die darüber hinauswachsen wollen, müssen sich daher ein eigenes, hochleistungsfähiges Versorgungsnetz aufbauen.
Sie tun dies, indem sie den so genannten Gefäßwachstumsfaktor (Vascular Endothelial Growth Factor; kurz: VEGF) ausschütten. Dieses Eiweiß wirkt auf die umliegenden Blutgefäße wie eine Art Auftragsschein und regt sie dazu an, zu wachsen und in Richtung Tumor neue Äderchen auszubilden. Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant: „Der Wachstumsfaktor VEGF spielt für die Blutgefäßversorgung des Tumors eine Schlüsselrolle. Der Antikörper Bevacizumab richtet sich nun gegen genau diesen Wachstumsfaktor und blockiert die Blutgefäßversorgung des Tumors. Der Tumor wird nicht mit neuen Blutgefäßen versorgt und bereits entwickelte Gefäße bilden sich zurück – Tumorwachstum und Metastasierung werden dadurch gehemmt. Bei Brustkrebs kommt Bevacizumab derzeit bei fortgeschrittenem Brustkrebs zur Anwendung. Der Einsatz in früheren Stadien wird derzeit noch in Studien getestet, z.B. in jenen der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG)“.
Viele Krebsarten durch „Aushungern des Tumors“ behandelbar
Das Prinzip des „Tumor Aushungerns“ hat sich bereits bei einigen Krebsarten erfolgreich bewährt – und bei rund 15 weiteren Krebserkrankungen laufen bereits Studien. So wird Bevacizumab (Avastin) heute neben Brustkrebs auch bereits bei Darm-, Lungen und Nierenkrebs mit Erfolg eingesetzt.
Die Angiogenese-Hemmung stellt für viele betroffene Patientinnen eine zusätzliche therapeutische Chance dar – vor allem dann, wenn sich die Erkrankung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. So kann bei einigen Erkrankungen die durchschnittliche Gesamtüberlebenszeit über mehrere Monate verlängert werden. So bestätigte eine aktuelle Studie mit dem Medikament (AVADO) erst kürzlich, dass Avastin bei fortgeschrittenem Brustkrebs die Überlebenschancen ohne Fortschreiten der Krankheit signifikant erhöht: Die Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Krankheit war bis zu 64% höher im Vergleich zu einer Behandlung mit Chemotherapie allein. Bei fast zwei Drittel aller Patientinnen (63%) ging auch die Größe des Tumors deutlich zurück – dies wurde bisher noch nie erreicht.
Für die Zukunft erwartet man sich von diesem neuen therapeutischen Wirk-Ansatz noch mehr: Zur Zeit laufen verschiedene Studien – unter anderem über die ABCSG, bei denen es um den möglichst frühzeitigen Einsatz dieser neuen therapeutischen Möglichkeit geht. Herausgefunden werden soll, inwieweit Patientinnen von der Behandlung mit Bevacizumab in frühen Stadien der Krebserkrankung profitieren können.
Laufende Studien BETH und BEATRICE – eine große Chance für Patientinnen:
Aktuell laufen bei der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group zwei große internationale Phase III Studien, die den Einsatz von Bevacizumab bei Brustkrebs im Frühstadium untersuchen: BEATRICE untersucht den Nutzen der Zugabe von Bevacizumab zu Chemotherapie. Bei BETH werden Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium eingeschlossen, wobei hier der Nutzen der Zugabe von Bevacizumab zu einem Trastuzumabhältigen Therapieschema untersucht wird.
Es soll herausgefunden werden, ob die Behandlung mit dem Medikament Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie (im Falle von HER2 positiven Patientinnen in Kombination mit Trastuzumab) helfen kann, das Risikos einer neuerlichen Erkrankung zu verhindern, weiters auch, ob die Behandlung mit Bevacizumab sicher ist.
Weitere Informationen
zur Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG):
Mag. Hannes Fohler, Geschäftsführer ABCSG,
Tel: 01 / 408 92 30 oder über www.abcsg.at
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