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Wenn die Hände
einschlafen
Das Karpaltunnelsyndrom als
unangenehmer Wegbegleiter
Wir alle haben es
schon erlebt: Wir
wachen in der
Nacht auf und die Hände
sind eingeschlafen und taub.
Und das ist oft sehr unangenehm
und tut weh. Meist sind
wir halt nur schlecht auf dem
Arm gelegen. Durch Bewegen
und Schütteln der Hand
kommt das Gefühl rasch wieder.
Alles ist vorbei. Doch bei
vielen Menschen treten solche
Beschwerden häufig auf,
auch tagsüber, und vergehen
leider nicht mehr. Dann sind
vermutlich Nerven beleidigt,
und das muss schnell behandelt
werden.
Schmerzen in unserem Körper
haben verschiedenste Ursachen.
So lösen Entzündungen
und Ver-letzungen unseres
Bewegungsapparates so
gut wie immer Schmerzen
aus, die sich dann als
schmerzhafte Gelenke, Muskeln
oder Sehnen darstellen.
Häufig werden Schmerzen
durch Schädi-gungen von
Nerven hervorgerufen. Da
unsere Nerven für das
Schmerzempfinden verantwortlich
sind und den
Schmerz weiterleiten, werden
Nervenschmerzen oft als besonders
qualvoll erlebt.
Rund 260.000 Österreicher
leiden an chronischen Nervenschmerzen.
Nur die wenigsten
werden aber adäquat
von einem Spezialisten behandelt.
Das bedeutet einen
oft jahrelangen schmerzvollen
Weg, bis endlich die richtige
Diagnose gestellt wird.
Die Lebensqualität der Betroffenen
ist stark reduziert.
Grundsätzlich können alle
Nerven in unserem Körper
betroffen sein, sowohl im
zentralen Nerven-system wie
Gehirn und Rückenmark als
auch die Nerven in der Peripherie,
also in den Armen
und Beinen. Ein besonders
häufiger Nervenschmerz ist
das Karpaltunnelsyndrom.
Nerveneinengung
Das Karpaltunnelsyndrom
(=KTS) ist ein typisches Nervenkompressionssyndrom.
Frauen sind etwa dreimal
häufiger als Männer davon
betroffen. Beim KTS wird
der Nervus Medianus im Bereich
der Handwurzel eingeengt,
was Beschwerden verursacht.
Unter dem Karpaltunnel
kann man sich eine
tunnelförmige Röhre vorstellen,
in der Nerven, Sehnen
und Blutgefäße vom Unterarm
zur Hand laufen. Damit
werden Bewegungen unserer
Finger, aber auch das Gefühl
und die Durchblutung gesteuert.
Wird dieser Kanal
durch Verletzungen, Entzündungen,
Infektionen oder
durch laufende Überbelastung
geschädigt und verengt,
kommt es zu typischen Symptomen:
Die Hände oder ein-zelne
Finger schlafen ein.
Am stärksten spürt man das
Einschlafen im Daumen, Zeige-
und Mittelfinger, manchmal
auch auf der dem Daumen
zugewandten Seite des Ringfingers. Diese Finger
werden nämlich durch den
Nervus Medianus versorgt.
Wird gleichzeitig auch ein
zweiter im Karpaltunnel laufender
Nerv, der Nervus Ulnaris,
eingeengt, dann finden
sich die Gefühlsstörungen
und Schmerzen vor allem im
Ringfinger und im kleinen
Finger.
Zusätzlich stellen sich ein
Gefühl des „Ameisenlaufens“
und ein Kribbeln ein.
Schmerzen treten zu-erst vorwiegend
nachts und bei Belastung
auf und strahlen auch
in den Unterarm aus. Später
kommt es zu einem sichtbaren
Muskelschwund im Bereich
des Daumenballens, zu
Störungen der Fein-motorik
und einer Schwäche in der
Hand. Feine genaue Arbeiten
und ein festes Zupacken und
Greifen sind nicht mehr möglich.
Die Schmerzen dauern
dann oft den ganzen Tag an.
Diagnostik
Der erfahrene Arzt kann
meist schon anhand der klassischen
Beschwerden die Diagnose
stellen. Durch Klopfen
auf den Karpaltunnel
oder starkes Beugen und Überstrecken des Handgelenks
werden nach ca. einer
Minute Gefühlsstörungen
und Schmerzen ausgelöst. Allerdings
sollte die Diagnose
immer durch eine Messung
der Nervenleitgeschwindigkeit
bestätigt werden. Dabei
wird die Schnellig-keit von
elektrischen Impulsen in den
betroffenen Nerven zwischen
Handgelenk und Daumenballen
gemessen. Und das am
besten immer im Seitenvergleich
zur gesunden Hand.
Werden die Nerven-impulse
langsam weitergeleitet, dann
gilt die Diagnose des KTS als
gesichert. Zum Nachweis von
Entzündungen im Handgelenksbereich
werden zusätzlich
Ultraschalluntersuchungen
und Magnetreso-nanztomographien
eingesetzt.
Das Karpaltunnelsyndrom
kann isoliert ohne erkennbare
Ursache auftreten. Doch
sehr häufig wird das KTS
durch Entzündungen in den
Handgelenken wie der chronischen
Polyarthritis oder der
Psoriasisarthritis ausgelöst.
Auch Weichteilrheumatismus
wie die Fibromyalgie oder
Sehnenscheiden-entzündungen
führen gerne zu einem
KTS. Stoffwechselerkrankungen
wie Gicht, Diabetes, eine
Unterfunktion der Schilddrüse,
Vitamin B-Mangel,
Schwangerschaft und ständige Überlastung des Handgelenks
beim Benützen von
Gehstöcken sind weitere Verursacher
des KTS.
Ähnliche Schmerzen und Gefühlsstörungen
wie bei KTS
können durch Erkrankungen
der Hals-wirbelsäule, durch
Schädigungen des Rückenmarks
(Verletzungen, Multiple
Sklerose, Tumore) oder
der Rückenmarksnerven
(vor allem Nervenwurzel C6)
hervorgerufen werden. Aber
selbst bei starken Muskelverspannungen
im Nackenbereich
berichten die Betroffenen
oft über eingeschlafene
Hände. Auch eine starke Abnützung
des Daumensattelgelenks
(Rhizarthrose) löst
Beschwerden wie beim KTS
aus, wird aber anders behandelt.
So wird behandelt
Bei leichten Beschwerden
sollte anfänglich immer konservativ
behandelt werden.
Nächtliche Schie-nen für das
Handgelenk und spezielle
Stützverbände beim Arbeiten
sollen den Karpaltunnel
ent-lasten. Physikalische Therapien
wie Elektrobehandlungen,
Zellbäder und Ultraschall
für das Hand-gelenk
helfen genauso wie heilgymnastische Übungen. Zusätzlich
können Schmerzpflaster
auf das Handgelenk aufgeklebt
werden. Auch lokale
Kälteanwendungen wie Eisbeutel
lindern akute Schmer-zen.
Bewährt haben sich lokale
Injektionen von schmerz- und
entzündungshemmenden
Medikamenten direkt in
den Karpaltunnel. Diese Infiltrationen
werden mit einer
ganz dünnen Nadel vorsichtig
durchgeführt und führen oft
zu einer raschen Besserung.
Zusätzlich hilft die Verabreichung
hoch-dosierter Vitamine
(vor allem Vitamin B-Komplex),
welche als Kurzinfusion
gegeben wird. Wird
das KTS durch andere Erkrankungen
wie eine Gelenksentzündung
oder Sehnenüberlastung
ausgelöst,
muss natürlich auch die
Grunderkrankung mit geeigneten
Maßnahmen behandelt
werden.
Operation möglich
Stellt sich mit allen konservativen
Behandlungen kein
ausreichender Erfolg ein,
kann die Engstelle im Karpaltunnel,
die auf den Nerv
drückt, operativ gelöst werden.
Je schlechter das Ergebnis
bei der Nervenleitgeschwindigkeit,
desto rascher
sollte man sich zu einer Operation
entschließen. Dieser
Eingriff wird oft ambulant
durchgeführt. Meist genügt
eine Betäubung des Armnervens
in der Achsel-höhle, eine
Vollnarkose ist nur selten erforderlich.
Wenn Sie also einige Wochen
an eingeschlafenen Händen,
einem Kribbeln oder
Schmerzen in den Fingern
leiden, sollten Sie rasch einen
Spezialisten aufsuchen. Denn
vor allem durch eine rechtzeitige
Behandlung kann
man die Beschwerden wieder
zum Verschwinden bringen!
Facharzt-Tipp:
Dr. Thomas Schwingenschlögl
Reisenbauerring 5/1/5
2351 Wiener Neudorf
Tel.: 02236/865910
Fax: 02236/86591030
Email: gesundheit@dr-schwingenschloegl.at
www.dr-schwingenschloegl.at
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