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Walter Ratt

Lehnt das Vor-haben der Bun-desregierung,
eine „Pflege-steuer“ einzu-führen, strikt ab: Dr. Walter Ratt,
seit fünf Jahren Landesobmann
des Oberöster-reichischen
Seniorenrings


 

 


 

 

Die Pflegediskussion bricht nicht ab...

Würde der Senioren in Gefahr?
Kritische Worte zur aktuellen Diskussion über Pflege und Betreuung

Bekanntlich gipfelte die kürzlich breit geführte Diskussion über die Finanzierung des Pflegesystems im Vorhaben der Bundesregierung, eine Vermögenszuwachssteuer als „Pflegesteuer“ einzuführen. Dies sei legitim, weil der Staat sonst die damit verbundenen Aufgaben nicht mehr übernehmen könne. Die gestiegene Lebenserwartung führe zum finanziellen Pflegenotstand. Dr. Walter Ratt, seit fünf Jahren Landesobmann des Oberösterreichischen Seniorenrings, macht im GESUND & VITAL-Interview aus seiner Empörung über die Richtung der Diskussion keinen Hehl:

Dr. Ratt: Ich bin erschüttert darüber, dass die Republik Österreich immer weniger als Sozialstaat wahrnehmbar ist. Es ist nicht einzusehen, dass der Staat privates Vermögen für die Finanzierung der stationären Pflege heranzieht. Auch Selbstbehalte für die erforderliche Pflege sind keine Zeichen von Solidarität und Nächstenliebe. Wem bis auf die Rücklage für die Begräbniskosten alles genommen wird, dem fehlt das Gefühl für ein Altern in Würde.

G&V: Was tun Sie als Seniorenvertreter – außer sich zu empören?
Dr. Ratt: Ich bilde parteiübergreifend Bewusstsein dafür, dass jeder Bürger unabhängig von seinem Alter Anspruch auf Pflege, Betreuung und Rehabilitation hat. Ich fordere die Verankerung dieses Grundrechts in der Verfassung. Ich wünsche mir, dass der Bundespräsident Dr. Heinz Fischer als höchstes Sozialorgan dafür sorgt, dass das Risiko der Pflege nicht vom Staat auf den Einzelnen abgewälzt wird.

G&V: Kann der Staat den Pflegeaufwand überhaupt finanzieren, ohne den Einzelnen in Anspruch zu nehmen?
Dr. Ratt: Natürlich. Der Staat braucht nur den Aufwand für Pflege von derzeit rund 1,4% auf ca. 1,8% des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Auch die im Jahr 2007 unerwartet an Steuern ein-genommenen vier Milliarden Euro könnten dafür verwendet werden. Der Staat könnte durch Vermeidung des Missbrauchs der E-Cards und beim Aufwand für straffällig gewordene Ausländer im Justiz- und Gesundheitsbereich viel Geld für die Pflege einsparen.

G&V: Seit der Einführung hat das Pflegegeld erheblich an Wert verloren. Sollen die Senioren tatenlos zuschauen?
Dr. Ratt: Für pflegebedürftige Senioren ist die Höhe des Pflegegeldes und die Art des Verfahrens häufig mehr Ärgernis als ausreichende Hilfe. Wir fordern daher die Wertsicherung des Pflegegeldes. Gleichzeitig trete ich für die stundensatzgerechte Erhöhung ein, damit der Pflegeaufwand normal bezahlt werden kann. Der zeitliche Aufwand der Pflege sollte von Pflegekräften und nicht von Ärzten begutachtet werden.

G&V: Warum treten Sie für ein Gleichgewicht der Würde bei Pflege und Betreuung ein? Was wollen Sie damit erreichen?
Dr. Ratt: Weit über 90% der Pflegeleistungen zu Hause erbringen Frauen. Alle Leistungen sollte der Staat gut entlohnen und sozialrechtlich absichern. Damit würde insbesonders die Frauenbeschäf-tigung gesteigert. Die Sozialquote und die Produktivität würden erhöht, die Armut bei uns würde sinken.

G&V: Damit wäre der Sozialstaat im Gleichgewicht. Warum gibt es keine einheitliche und umfassende nachhaltige Regelung der Pflege und Betreuung?
Dr. Ratt: Die Seniorenvertretungen der beiden großen Parteien sind wesentlich abhängiger als wir. Erst kürzlich wurde in der Pensionssicherungskommission durch die politischen Machthaber sinn-gemäß beschlossen, dass die Pensionen künftig infolge des Geburtenrückgangs durch verstärkte Einwanderung gesichert werden sollen. Wir haben große Sorge, dass die Verantwortlichen die Zeichen der Zeit nicht erkennen und die wichtigen vorrangigen Bedürfnisse der Bevölkerung nicht spüren.

G&V: Vielen Dank für das Gespräch!

 

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